Belgrad/Berlin (dapd). Die extreme Kältewelle hat weite Teile Europas weiter fest im Griff. In Serbien stellten Minustemperaturen von bis zu minus 36 Grad die Energieversorgung vor immer größere Probleme. Die derzeitige Nachfrage könne nicht mehr befriedigt werden, erklärte der staatliche Energieversorger am Donnerstag.
Im Fernsehen forderten die Behörden die Bevölkerung deshalb auf, Strom zu sparen. Andernorts setzten Rettungskräfte Helikopter ein, um die Bewohner Dutzender eingeschneiter Ortschaften mit Lebensmitteln zu versorgen. In Deutschland führte Neuschnee am Donnerstag zu zahlreichen Verkehrsunfällen. Dabei wurden laut Polizeiangaben auch zahlreiche Menschen verletzt.
Mindestens vier osteuropäische Länder haben wegen des strengen Frosts und großer Eisschollen auf der Donau inzwischen die Schifffahrt eingestellt. Bulgarien, Kroatien, Rumänien und Serbien hätten die Entscheidung getroffen, weil bis zu 90 Prozent der Wasseroberfläche von Eis bedeckt seien, teilten die jeweiligen Behörden mit. Auch auf deutschen Flüssen und Kanälen machen Eisschollen der Schifffahrt zu schaffen, mehrere Kanäle wurden gesperrt. Zur Verhinderung von Überschwemmungen wollen serbische Behörden nun Sprengstoff einsetzen, um das Eis zu brechen.
Die Minustemperaturen hätten auch eine erhebliche Drosselung der in Serbien weitverbreiteten Kohleförderung nötig gemacht, sagte Zoran Manasijevic von der staatlichen Energiegesellschaft. Das Eis auf den Flüssen gefährdet zudem die Stromproduktion der Wasserkraftwerke.
Zehntausende in Dörfern von der Außenwelt abgeschnitten
Rumänische Fernsehbilder zeigten unterdessen Bewohner des im Osten gelegenen Dorfs Rubla, die verzweifelt Tunnel gruben, um sich aus ihren Häusern zu retten. Dutzende weitere Ortschaften hatten weder Strom noch Wasser. Auch in abgelegenen Dörfern Bosniens und Serbiens waren zehntausende Menschen von der Außenwelt abgeschnitten.
Das Winterwetter behindert derweil nach wie vor den Straßen- und Schiffsverkehr in Deutschland. Neuschnee führte am Donnerstag zu zahlreichen Verkehrsunfällen. Dabei wurden laut Polizeiangaben auch zahlreiche Menschen verletzt. Auf der Mosel musste der Schiffsverkehr zwischen Koblenz und Trier wegen des Eises eingestellt werden. Auch vor der vorpommerschen Ostseeküste kam der Schiffsverkehr zum Erliegen. In den bayrischen Bergen stieg die Lawinengefahr. Der gefrorene Boden beschert mittlerweile auch den Bestattern Probleme.
Östlich von Rügen hatten sich am Donnerstag nach starkem Nordost-Wind bis zu 1,50 Meter starke Eiswälle gebildet und die Schifffahrt zum Erliegen gebracht. Die Schollen könnten von Eisbrechern nicht mehr geknackt werden, sagte der Chef der Revierzentrale, Klaus-Peter Nitsch, der Nachrichtenagentur dapd.
Aus Sorge um obdachlose Menschen stellten die Berliner Behörden unterdessen zusätzliche Unterkünfte bereit, die ihnen Zuflucht vor den lebensgefährlichen Temperaturen bieten.
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