FDP-Vizechefin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hat an ihre Partei appelliert, die Mindestlohnpläne des Koalitionspartners CDU zu stoppen. Die FDP müsse "die soziale Marktwirtschaft verteidigen und beim Mindestlohn einen Kontrapunkt zur Union setzen", sagte die Bundesjustizministerin der "Welt". Sie wandte sich auch gegen die Einsetzung einer Lohnkommission, die in Teilen der Union und ihrer eigenen Partei befürwortet wird. Die Vorstellung, es gebe eine unabhängige Lohnfindungskommission, sei "ein bisschen naiv", sagte sie.
Der Fraktionschef der schleswig-holsteinischen FDP, Wolfgang Kubicki, sprach sich hingegen grundsätzlich für Lohnuntergrenzen aus. Dem "Hamburger Abendblatt" sagte er, "unabhängig von der Politik ausgehandelte Lohnuntergrenzen für einzelne Branchen und Regionen, in denen es derzeit keine Tarifverträge gibt", könnten ein "sinnvolles Instrument" sein. Es komme immer häufiger vor, dass Unternehmen Löhne zahlten, die zum Überleben nicht ausreichten, und daher mit staatlichen Hilfen aufgestockt werden müssten. "Die Gewinne solcher Firmen werden also indirekt vom Staat subventioniert", kritisierte Kubicki.
Mit Blick auf den am Samstag beginnenden FDP-Parteitag in Frankfurt warnte Leutheusser-Schnarrenberger ihre eigene Partei eindringlich davor, beim derzeit laufenden Mitgliederentscheid gegen den dauerhaften Euro-Rettungsfonds ESM zu stimmen. "Ich werbe dafür, dass wir an unserer europäischen Verlässlichkeit keine Zweifel lassen", sagte sie. "Ich warne vor einem Kurswechsel." Die FDP müsse auf dem Parteitag deutlich machen, dass sie "klare europäische Wurzeln und eine klare europäische Ausrichtung" habe. Die europapolitische Kurs ist neben der Bildungspolitik das Hauptthema des Parteitags am Wochenende.


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