Der Koalitionsstreit um die Einführung einer Finanzmarktabgabe zunächst nur für den Bereich der Euro-Zone hat sich weiter zugespitzt. Führende FDP-Politiker warnten vor Konsequenzen für die gemeinsame Regierungsarbeit, sollte die Union sich über die Bedenken ihres Partners dagegen hinwegsetzen. Politiker von CDU und CSU drängten jedoch auf die zügige Einführung der geplanten Finanztransaktionsteuer.
Nach Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) warb auch CSU-Chef Horst Seehofer für einen Alleingang der Euro-Staaten, um den Widerstand Großbritanniens gegen eine solche Steuer zu umgehen. "Manche Dinge können auch nur von den 17 Euro-Staaten gemacht werden", sagte Seehofer der "Passauer Neuen Presse". Die Bedenken der FDP teile er nicht. "Ich glaube nicht, dass nach der Einführung die Börsengeschäfte aus der Euro-Zone abwandern."
Am Montag hatte sich auch Merkel im Grundsatz hinter entsprechende Vorschläge von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy gestellt, zugleich aber darauf hingewiesen, dass dies wegen des Widerstandes der FDP in der Regierung nicht konsensfähig sei. "Mit dieser Haltung steht die FDP klar im Abseits", erklärte dazu der CSU-Europapolitiker Markus Ferber. "Auch die FDP kann sich nicht der Absicht verschließen, den Finanzsektor an den Kosten der Krise zu beteiligen", sagte der CDU-Finanzexperte Klaus-Peter Flosbach zu "Handelsblatt Online".
"Ich bleibe dabei, eine solche Steuer muss für alle EU-Staaten gelten", hatte FDP-Chef Philipp Rösler dagegen am Montag bekräftigt. Unterstützung erhielt er unter anderem von dem FDP-Finanzexperten Volker Wissing sowie dem Europapolitiker Alexander Graf Lambsdorff. Der FDP-Finanzexperte Hermann Otto Solms warnte im "Handelsblatt", die Funktionsfähigkeit der Koalition wäre "in ihrem Kern berührt", sollte sich die Union nicht an Absprachen halten.
Auch Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) warnte Merkel bei "Spiegel Online" vor Alleingängen. Skeptisch äußerte sich in der "Financial Times Deutschland" auch ein Sprecher der hessischen CDU/FDP-Landesregierung.
Kritik an der Haltung der FDP-Spitze kam auch aus den eigenen Reihen. "Die Finanztransaktionsteuer muss kommen", sagte der FDP-Fraktionschef in Schleswig-Holstein, Wolfgang Kubicki, der "Leipziger Volkszeitung". Zu einer möglichen Verlagerung von Börsengeschäften sagte er, für ihn sei fraglich, "ob wir derlei Spekulationsgeschäfte überhaupt wollen". Auch FDP-Vorstandsmitglied Michael Theurer warb für die Finanztransaktionssteuer. Er äußerte allerdings in "Handelsblatt Online" Zweifel an einer praktikablen Lösung ohne Großbritannien.
SPD-Fraktionsvize Hubertus Heil forderte Merkel auf, sich "gegenüber ihrem schwächelnden Koalitionspartner durchzusetzen". Entsprechend äußerte sich auch der Grünen-Vorstand in seiner am Dienstag beschlossenen "Wörlitzer Erklärung". Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin erklärte in Berlin, die FDP sei "der parlamentarische Arm der Finanzindustrie". Merkel dürfe "Europa nicht zur Geisel einer sich in Auflösung befindlichen Partei machen", erklärte Linken-Chefin Gesine Lötzsch.
Die EU-Kommission hat eine Abgabe auf Geschäfte mit Aktien und Anleihen in Höhe 0,1 Prozent vorgeschlagen. Ihre Pläne beziehen sich bislang allerdings auf die gesamte EU.


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