Fast vier Monate nach dem Wechsel ihres Führungsteams kommt die Regierungspartei FDP nicht aus dem Umfragetief heraus. In der wöchentlichen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid im Auftrag der "Bild am Sonntag" verloren die Liberalen einen Prozentpunkt und kamen auf vier Prozent. Einen Rücktritt des zuletzt in die Kritik geratenen Außenministers Guido Westerwelle (FDP) lehnt aber die Hälfte der Deutschen ab.
Die FDP ist seit den Bundestagswahlen 2009, bei denen sie die Rekordstimmenanzahl von 14,6 Prozent erreichte, in den Umfragen abgestürzt. Westerwelle hatte nach Kritik an seiner Amtsführung und mehreren Wahlschlappen das Amt des Parteichefs im Mai an Philipp Rösler abgegeben, der vom Gesundheits- ins Wirtschaftsministerium wechselte.
Im Bundestag wären die Liberalen nach der Umfrage nicht vertreten; der Koalitionspartner Union blieb indes unverändert bei 32 Prozent. Grüne und SPD kämen gemeinsam auf eine deutliche Mehrheit von 49 Prozent. Emnid befragte für den repräsentativen Sonntagstrend zwischen dem 25. und dem 31. August insgesamt 2845 Menschen.
Nach Ansicht der Bundesbürger hat sich der Wechsel an der Parteispitze der FDP bisher nicht ausgezahlt. In einer zweiten Emnid-Umfrage sagten knapp zwei Drittel der Deutschen (63 Prozent), das Erscheinungsbild der FDP sei unverändert. Einen Rücktritt Westerwelles lehnt demnach aber die Hälfte der Bundesbürger ab, nur 40 Prozent sind der Meinung, der Außenminister solle sein Amt aufgeben. Gegen Westerwelle waren wegen seiner Haltung in der Libyen-Krise Rücktrittsforderungen laut geworden. Nachdem der Minister jedoch auf Druck Röslers den Beitrag der Alliierten würdigte, stärkte ihm die FDP-Fraktion in ihrer Klausurtagung den Rücken.
FDP-Bundesvorstandsmitglied Cornelia Pieper warnte ihre Partei im "Focus" davor, Westerwelle nach möglichen Wahlniederlagen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin erneut zum Sündenbock abzustempeln. "Die Wahlergebnisse müssen diejenigen verantworten, die diese Personaldebatte angezettelt haben."
Die Deutschen sind insgesamt dennoch nicht zufrieden mit ihrem Außenminister. Eine klare Mehrheit der Befragten (57 Prozent) sah Westerwelle der Emnid-Umfrage im Auftrag von "Bild am Sonntag" zufolge als eher schlechten Repräsentanten ihres Landes im Ausland. Eine deutliche Mehrheit (57 Prozent) hielt aber die Entscheidung der Bundesregierung, sich nicht am NATO-Militäreinsatz gegen den libyschen Diktator Gaddafi zu beteiligen, nach wie vor für richtig. Emnid befragte am 1. September 2011 insgesamt 503 Bürger.
SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier kritisierte den Umgang der FDP mit Westerwelle und dessen Verhalten im Amt. Niemals in der Geschichte der Bundesrepublik sei ein amtierender Außenminister von seiner eigenen Partei "so brutal unglaubwürdig gemacht worden wie Guido Westerwelle", sagte Steinmeier dem "Hamburger Abendblatt" . Westerwelle selbst habe leider "nie verstanden, dass Regierungsämter mit Substanz und Verantwortung ausgefüllt werden müssen - und nicht mit Rhetorik und Polemik". Die grüne Fraktionsvorsitzende Renate Künast sagte der "Bild am Sonntag", "faktisch hat Deutschland keinen Außenminister, der dieses Amt ausfüllt".


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