Moskau (dapd). Bei einem Protestmarsch am Vortag der erneuten Vereidigung von Wladimir Putin zum russischen Präsidenten hat die Moskauer Polizei führende Oppositionelle und weitere Demonstranten festgenommen, die zum Kreml vordringen wollten. Der Marsch von rund 20.000 Oppositionsanhängern zu einer Insel gegenüber des Kremls blieb zunächst friedlich, bis eine Gruppe Richtung Kreml abbog.
Als immer mehr Menschen auf die gesperrte Brücke drängten, verstärkte die Polizei dort ihre Kräfte. Nach etwa einer Stunde der Konfrontation begannen die Beamten damit, einzelne Demonstranten festzunehmen und in bereitstehende Fahrzeuge zu verfrachten. Unter anderem wurden die Oppositionellen Sergei Udalzow, Alexei Nawalni und Boris Nemzow festgenommen.
"Genug Lügen", riefen die Demonstranten bei der Kundgebung. Die Beteiligung war allerdings deutlich geringer als bei den Protestkundgebungen im Winter, als sich teilweise mehr als 100.000 Menschen den Demonstrationen anschlossen. Der Ärger über Manipulationen bei der Parlamentswahl im Dezember und die Hoffnung darauf, Putin bei der Präsidentenwahl im März einen Denkzettel verpassen zu können, beflügelten die Opposition. Allerdings gewann Putin die Wahlen deutlich und zieht nach seinen ersten beiden Amtszeiten von 2000 bis 2008 erneut in den Kreml ein.
Zwtl.: "Bildet eine Partei oder ich gehe auf meine Datscha"
Einige der Demonstranten räumten ein, dass Putins Wahlsieg ein Schlag für die Moral der Oppositionsbewegung war. "Es stimmt, dass einige enttäuscht waren", sagte Juri Baranow, ein 46 Jahre alter Spezialist für Informationstechnik. Aber "das Wichtigste ist, dass die Menschen aufgewacht sind", sagte er. "Ich möchte glauben, dass unsere Stimmen gehört werden, aber ich bin mir dessen nicht ganz sicher", sagte Jelena Karpsowa. Die 47-Jährige reiste für die Demonstration rund 200 Kilometer aus Tula an.
Die Schlagkraft der Opposition wird auch durch ihre Vielfältigkeit geschwächt. Sie ist ein loser Zusammenschluss aus Linken, westlich orientierten Liberalen, Nationalisten und anderen Fraktionen. Einige Demonstranten forderten ein klares Programm der Opposition. "Bildet eine Partei oder ich gehe auf meine Datscha", drohte er auf einem Plakat.
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