Ein Medikament zur Behandlung von Krebs könnte US-Forschern zufolge möglicherweise auch ein zukünftiges Heilmittel für Aids sein. "Es ist der Beginn der Arbeit für eine Heilung von Aids", sagte der Forscher David Margolis der Nachrichtenagentur AFP am Rande der internationalen Aids-Konferenz in Washington am Mittwoch (Ortszeit). Bei dem Mittel handelt es sich um das bei Chemotherapien verwendete Medikament Vorinostat. Weltweit leben rund 34 Millionen Menschen mit HIV. Seit Auftreten des Virus' in den 80er Jahren starben etwa 30 Millionen Menschen an Aids.
Wie die Forscher in einer im Fachmagazin "Nature" erschienenen Studie beschreiben, nutzten sie das Medikament bei ihren Untersuchungen, um das in den weißen Blutkörperchen der Patienten ruhende HI-Virus auszuschwemmen. Vorinostat sei das einzige Mittel, mit dem es bislang gelungen sei, das Virus aus seiner Ablagerung herauszuspülen. Die Tatsache, dass sich das HI-Virus in den Zellen ablagert und erst nach Jahrzehnten wieder aktiv werden kann, stellte das bislang größte Hindernis bei der Suche nach einem Heilmittel dar.
Forscher Steven Deeks erklärte, die Untersuchungen seien ein "erster Beweis, dass eine Heilung eines Tages möglich ist". Die Wissenschaft ist jedoch noch zurückhaltend, von einem Durchbruch zu sprechen. "Es gibt eine Möglichkeit, dass das funktionieren kann, aber wenn es nur zu 99 Prozent stimmt und ein Prozent des Virus' entkommt, wird es keinen Erfolg haben", warnte Margolis. Viele Fragen sind demnach noch offen. So ist unklar, was passiert, wenn das Virus aus den Zellen herausgefiltert wurde. Bedenken gibt es auch, dass anderweitig gesunde HIV-Patienten mit potenziell toxischen Medikamenten behandelt werden sollen.

