Frankfurt/Main (dapd-hes). Der junge Mann mit Strickmütze wirkt verzweifelt. Soeben hat ihm eine Polizistin mitgeteilt, er könne erst morgen wieder in das Jugend- und Sozialamt in der Mainzer Landstraße in Frankfurt, wo auch eine "Außenstelle für besondere Personenkreise" des Rhein-Main-Jobcenters untergebracht ist.
Kurz zuvor wurde dort eine Kundin von einer Polizistin erschossen, nachdem sie mit einem Messer auf einen Beamten eingestochen hatte. Das Amt und das Jobcenter sind mit rot-weißen Plastikbändern abgesperrt. Der junge Mann mit Mütze sagt, er müsse trotzdem hinein: "Ich habe 30 Stunden nicht geschlafen, ich habe keine Bleibe. Was mache ich denn jetzt?" Laut jammernd zieht er ab.
In der Außenstelle betreut das Jobcenter Wohnungslose und Menschen mit Suchtproblemen. Die erschossene Kundin gehörte aller Wahrscheinlichkeit auch zu diesem Kreis. Wenige Stunden nach dem Vorfall ist über ihre Identität nichts bekannt.
Ein Polizeisprecher weiß nur zu berichten, dass die junge Frau am Morgen in einen Streit mit einem Mitarbeiter des Jobcenters geraten war. Worüber, ist unklar. Um kurz vor 09.00 Uhr alarmierte der hauseigene Sicherheitsdienst die Polizei. "Demnach wollte eine Kundin nach einem Streit mit einem Mitarbeiter das Haus nicht verlassen. Sie randalierte und störte den Betrieb", sagt der Polizeisprecher.
Als die alarmierten Streifenbeamten sie nach ihrem Ausweis fragten, zog sie ein Messer aus ihrer Handtasche. Damit stach sie einem Polizisten in den Bauch. Seine Kollegin schoss daraufhin ein Mal auf die Angreiferin. Der Schuss traf die junge Frau im Bauch.
Im Krankenhaus erlag die Frau ihren Verletzungen, etwa eine Stunde nach dem Schuss. Der Zustand des verletzten Polizisten sei stabil, sagte der Sprecher. Neben dem Stich in den Bauch zog er sich einen Schnitt am Arm zu, als er die Angreiferin abwehren wollte. Seine Kollegin, die den Schuss abgab, stand unter Schock.
Zur Art des Messers wie zum Alter der Angreiferin und der Beamten kann der Polizeisprecher zunächst keine Angaben machen. Da sich der Vorfall in einem Großraumbüro mit mehreren Schreibtischen ereignete, erhofft sich die Polizei von der Vernehmung von Mitarbeitern und Kunden des Jobcenters entscheidende Hinweise zum Tathergang.
Draußen vorm Jobcenter hängen Beamte derweil handschriftliche Zettel neben dem Eingangstor. "Das Jugend- und Sozialamt ist wieder am Freitag, 20. Mai, 8 - 12 Uhr, geöffnet", steht darauf.
dapd


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