Der langjährige libysche Machthaber Muammar el Gaddafi hat Berichte über seine Flucht nach Niger dementiert. Seinen Gegnern bleibe "nichts mehr als psychologischer Krieg und Lügen", sagte Gaddafi in einer vom syrischen Fernsehsender Arrai übertragenen Audiobotschaft. Die Afrikanische Union (AU) kritisierte unterdessen Übergriffe auf Schwarze, die für Söldner Gaddafis gehalten werden.
Gaddafi zeigte sich überzeugt vom Sieg über die NATO und versicherte, dass die Angriffe gegen "Ratten und Söldner" verstärkt würden. Am Dienstag hatte der Nationale Übergangsrat, das neue Machtgremium in Libyen, mitgeteilt, dass ein Militärkonvoi die Grenze zum Nachbarland Niger überquert habe. Es habe sich um einen Konvoi gehandelt, wie ihn Gaddafi und seine Söhne benutzten, hieß es. Sowohl der Niger als auch die USA dementierten aber, dass sich Gaddafi oder einer seiner Söhne in dem Konvoi befunden hätten.
Nach den Worten des US-Botschafters in Libyen stellt der untergetauchte Gaddafi weiter eine "Gefahr" für die neue libysche Führung dar. Solange Gaddafi und seine Familie in Libyen oder außerhalb des Landes auf freiem Fuß seien, sei dies gefährlich für die Bemühungen des Nationalen Übergangsrats, eine Regierung auf die Beine zu stellen, sagte Gene Cretz auf einer Veranstaltung in Washington. Es sei für den Übergangsrat "sehr wichtig", Gaddafi vor Gericht zu stellen - jetzt, da er den Machthaber gestürzt und seine Kämpfer größtenteils besiegt habe.
Der Gouverneur der libyschen Zentralbank, Kassem Assos, sagte unterdessen, Gaddafi habe kurz vor der Einnahme seines Hauptquartiers in Tripolis am 23. August 29 Tonnen aus den libyschen Goldbeständen zu Geld gemacht. Dies entspreche mehr als einem Fünftel der gesamten Goldreserven; der Wert belaufe sich auf mehr als eine Milliarde Dollar (mehr als 711 Millionen Euro). Ein Zentralbankvertreter vermutete, dass das Gold wahrscheinlich über Tunesien außer Landes geschafft wurde. Die Guthaben der libyschen Zentralbank bezifferte Assos auf 115 Milliarden US-Dollar, von denen sich 90 Milliarden im Ausland befänden.
AU-Kommissionspräsident Jean Ping rief den Übergangsrat auf, sich von Angriffen auf Schwarze zu distanzieren, die unter dem Vorwand verübt würden, dass es sich um Söldner Gaddafis handele. "Schwarze werden getötet, Schwarzen wird die Kehle durchgeschnitten, Schwarze werden beschuldigt, Söldner zu sein", sagte Ping in Paris. "Finden Sie es normal, dass in einem Land, das ein Drittel Schwarze zählt, Schwarze mit Söldnern verwechselt werden?"


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