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    Germanwings-Airbus entging 2010 nur knapp Katastrophe

    Kabinenluft bei Anflug auf Köln/Bonn offenbar vergiftet

    Beim Anflug auf den Kölner Flughafen ist ein Airbus von Germanwings Ende 2010 womöglich nur knapp einem schweren Unfall entgangen. Ein "außergewöhnlicher Geruch" im Cockpit habe zu einer "deutlichen Beeinträchtigung" von körperlicher Leistung und Wahrnehmungsfähigkeit beider Piloten geführt, heißt es in einem jetzt bekannt gewordenen Prüfbericht. Mit Sauerstoffmaske habe der Kapitän den Jet dennoch sicher landen können.

    Laut dem Zwischenbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen (BFU) in Braunschweig gaben die Piloten des Passagierjets an, sie hätten auf dem Flug von Wien nach Köln beim Landeanflug einen "seltsamen, stark ausgeprägten, unangenehmen Geruch" wahrgenommen. Der Copilot habe gesagt, dass ihm "kotzübel" gewesen sei, und den Geruch als "elektrisch-süßlich" beschrieben. Der Pilot habe nach eigenen Angaben "urplötzlich ein starkes Kribbeln in Händen und Füßen" verspürt. Gleichzeitig habe er bemerkt, wie ihm "im wahrsten Sinne des Wortes die Sinne schwanden".

    Der BFU zufolge beschrieben beide Flugzeugführer "ihre Verfassung kurz vor der Landung als surrealitisch und wie in einem Traum". In der Passagierkabine war der Geruch demnach nicht wahrnehmbar. In dem im Internet abrufbaren Zwischenbericht wird der Vorfall vom 19. Dezember 2010 als "schwere Störung" eingestuft.

    Berichten des Radiosenders NDR Info und der "Welt" zufolge soll Germanwings der BFU wichtige Informationen zu dem Zwischenfall in dem mit 149 Menschen besetzten Airbus vorenthalten haben. Die Fluglinie wies dies zurück. "Germanwings hat nichts vertuscht, keine Zwischenfälle heruntergespielt und verwehrt sich gegen die irreführende Berichterstattung," erklärte die Lufthansa-Tochter in Köln.

    Vielmehr habe Germanwings den zuständigen Behörden "alle zur Verfügung stehenden Informationen zu dem Zwischenfall sofort und unverzüglich zur Verfügung gestellt und dabei den Vorfall selbst als 'gravierend' eingestuft". Auch habe der Kapitän Germanwings gegenüber gesagt, er habe trotz körperlicher Beeinträchtigung "jederzeit alles unter Kontrolle" gehabt.

    Weiter erklärte Germanwings, das Flugzeug sei in Köln intensiv und gemäß den Vorgaben des Herstellers Airbus untersucht und nach umfangreichen Inspektionen wieder eingesetzt worden. "Es konnte bei den Untersuchungen keine eindeutige Ursache der Geruchsentwicklung festgestellt werden." Wegen der Bauart heutiger Verkehrsflugzeuge könnten Geruchsbelästigungen nicht völlig ausgeschlossen werden.

    2008 kam es der Luftlinie zufolge zu einem "ähnlich gelagerten Vorfall" mit derselben Maschine in Irland. Die Ursachen seien "sehr intensiv in enger Abstimmung" mit irischen Behörden und Airbus aufgearbeitet worden. Zwischen beiden Vorfällen habe die Maschine über 6000 Flüge ohne Beanstandungen absolviert.

    Politiker von SPD und Grünen erneuerten angesichts des Zwischenfalls ihre Forderungen nach verbesserten Vorschriften für die Luftqualität in Flugzeugen und gründlichen Untersuchungen aller Vorfälle mit kontaminierter Kabinenluft. "Die Zeit der Verharmlosung und der Problemverdrängung ist vorbei", erklärte der SPD-Tourimusexperte Hans-Joachim Hacker. Auch der Grünen-Abgeordnete Markus Tressel forderte "durchsetzungsfähige Behörden", die mit klarem Rechtsrahmen "dafür sorgen, dass die Regeln eingehalten werden".

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