Nach monatelangen Verhandlungen hat der britische Premierminister David Cameron offiziell grünes Licht für eine Volksabstimmung über eine Unabhängigkeit Schottlands gegeben. Cameron als vehementer Gegner einer Abspaltung und der Chef der schottischen Regionalregierung, Alex Salmond, unterzeichneten in Edinburgh eine entsprechende Vereinbarung. Das Referendum wird für Ende 2014 angestrebt.
"Wir können kein Land gegen den Willen seines Volkes im Vereinigten Königreich halten", sagte Cameron nach der Unterzeichnung. "Aber ich hoffe und glaube fest daran, dass es für den Zusammenhalt des Vereinigten Königreichs stimmen wird. Gemeinsam sind wir besser, stärker und sicherer". Sein schottischer Kollege hatte dagegen noch vor dem Treffen versichert, mit der Vereinbarung werde Schottland einen "wichtigen Schritt in Richtung Unabhängigkeit" gehen und das bedeute ein "gerechteres und erfolgreicheres" Schottland. Er rechne mit einem Ja bei der Abstimmung in zwei Jahren.
Neben Camerons Koalition aus Konservativen und Liberal-Demokraten lehnt auch die oppositionelle Labour-Partei eine Abspaltung Schottlands ab. Salmond, dessen Schottische Nationalpartei SNP seit Mai 2011 die Mehrheit im Parlament in Edinburgh innehat, treibt sie hingegen mit aller Macht voran. In teils bitteren Verhandlungen wurde auf Drängen Londons vereinbart, dass es in dem Referendum nur um ein Ja oder Nein zur Abspaltung Schottlands gehen soll, nicht aber um die Frage nach noch größerer Selbstbestimmung. Im Gegenzug können sich voraussichtlich auch 16- und 17-Jährige an der Abstimmung beteiligen.
Ein erfolgreiches Referendum könnte die mehr als 300 Jahre andauernde Zugehörigkeit Schottlands zum Vereinigten Königreich beerdigen. Schottland gehört seit 1707 zur britischen Krone, genießt aber seit 1997 weitreichende Autonomie. Die Hoffnungen der Unabhängigkeitsbefürworter werden durch aktuelle Umfragen allerdings getrübt: Nur 28 Prozent der Schotten sprechen sich darin für eine Abspaltung von London aus, 53 Prozent sind dagegen.
Zur reinen Hypothese einer möglichen Abspaltung könne die EU-Kommission keine "Position beziehen", sagte Sprecherin Pia Ahrenkilde-Hansen in Brüssel. Nur wenn sie von einem Mitgliedstaat dazu befragt werde und es ein "präzises Szenario" gebe, könne sie ihre Bewertung zu den rechtlichen Konsequenzen einer Abspaltung abgeben.
Der Beitritt eines neuen Mitglieds müsse sich in jedem Fall aber an die in den EU-Verträgen festgelegten Regeln und Verfahren halten, bekräftigte die Sprecherin. Diese Haltung der Kommission gelte auch für die spanischen und belgischen Regionen Katalonien und Flandern, fügte sie hinzu. Auch dort ertönen immer wieder laute Rufe nach einer Abspaltung.


