Am Jahrestag des Beginns der Proteste in Bahrain hat die Polizei des Golfemirats hunderte schiitische Demonstranten mit Gewalt auseinander getrieben. Die Sicherheitskräfte gingen mit Tränengas- und Blendgranaten gegen die Demonstranten vor, wie Augenzeugen berichteten. König Hamad Ben Issa Al-Chalifa rief Schiiten und Sunniten im Land in einer Rede zum Zusammenhalt auf.
"Nieder mit Hamad", riefen die überwiegend jungen Demonstranten am Dienstag mit Blick auf den Monarchen. Sie waren einem Aufruf der radikalen Gruppe "Jugend des 14. Februar" zu einem "Tag der Rückkehr" gefolgt und versuchten, auf den von Sicherheitskräften abgeriegelten Perlenplatz in der Hauptstadt Manama zu gelangen.
Die schiitischen Opposition warf den Sicherheitskräften vor, mit einer Festnahmekampagne gegen die Protestbewegung vorzugehen. 13 Menschen seien in Haft genommen worden.
König Hamad Ben Issa Al-Chalifa rühmte in seiner Rede den "Geist des Zusammenhalts und der Wiedervereinigung" aller Teile des Volkes, wie die amtliche Nachrichtenagentur BNA berichtete. Zugleich forderte er die Menschen zu "ernsthaftem und aufrichtigem Handeln im Interesse des Vaterlandes und der Bürger" auf. Das Land befinde sich noch immer im Reformprozess, sagte der König und versprach künftig eine bessere Kontrolle der Regierung durch eine gewählte Versammlung. Den Jahrestag des Protestbeginns erwähnte er nicht.
Die schiitische Opposition in Bahrain fordert die Umwandlung des Golfemirats in eine konstitutionelle Monarchie. Der König leitete eine Reihe von Reformen ein, die der Opposition jedoch nicht weit genug gehen. Obwohl die Bevölkerung des Inselstaats mehrheitlich schiitisch ist, wird sie seit Jahrhunderten von einer sunnitischen Dynastie beherrscht. Die Schiiten klagen über vielfältige Benachteiligungen im Alltag.
Die Proteste gegen das sunnitische Herrscherhaus hatten am 14. Februar 2011 begonnen. Einen Monat später wurden sie mit Hilfe saudiarabischer Truppen blutig niedergeschlagen. Nach einer internationalen Untersuchung starben mindestens 35 Menschen, darunter fünf Sicherheitskräfte und fünf Menschen, die im Gefängnis zu Tode gefoltert wurden. Amnesty International geht davon aus, dass seitdem nochmals 20 Menschen getötet wurden, weil die Sicherheitskräfte übermäßige Gewalt einsetzen.


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