Weimar (dapd). Das Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar ist nach einer Umbaupause wiedereröffnet worden. Es sei eine Schatzkammer der deutschen Kulturgeschichte, sagte Thüringens Kultusminister Christoph Matschie (SPD) am Donnerstag in Weimar. Die Sanierung sei ein wichtiger Schritt gewesen, das klassische Erbe Deutschlands zu pflegen und für neue Generationen aufzuarbeiten.
Das im Jahr 1896 von der Großherzogin Sophie von Sachsen-Weimar-Eisenach (1824 - 1897) erbaute Gebäude war seit 2009 für rund 9,2 Millionen Euro plus Kosten für die Ausstattung renoviert worden. Es gilt als das älteste Literaturarchiv Deutschlands. "Mit dem sanierten Haus hoffen wir auf eine deutlich breitere Öffentlichkeit", sagte Direktor des Archivs, Bernhard Fischer. "Besucher in Weimar sollten keine Scheu haben und mit viel Neugier in unser Haus kommen." Bis zur Schließung seien pro Tag rund 2.000 Besucher und ebenso viele Benutzer gekommen, mit der Neueröffnung sei eine deutliche Steigerung zu erwarten.
Vitrinen beherbergen Schätze der Literaturgeschichte
Das Herz des Besucherbereichs bilden die Vitrinen im prächtigen Mittelsaal, die einige der größten Schätze des Haues beherbergen. Neben einer bruchsicheren Glasscheibe schützen weiße Filzdecken die lichtempfindlichen Handschriften berühmter Schriftsteller und Musiker zusätzlich vor zu viel Lichteinfall. Mit Skizzen versehene Fragmente aus Georg Büchners "Woyzeck" sind hier ebenso zu sehen wie der Entwurf einer Szene aus Goethes Faust II. Auch Handschriften von Friedrich Nietzsche, Friedrich Schiller, Christoph Martin Wieland sowie von Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig von Beethoven können im Original bewundert werden.
Der Nachlass Goethes bildet bis heute den Grundstock der insgesamt mehr als fünf Millionen Einzelblätter umfassenden Sammlung. 1885 hatte der Enkel des Dichterfürsten, Walther Wolfgang von Goethe, den Nachlass seines prominenten Vorfahren der Großherzogin Sophie von Sachsen-Weimar-Eisenach (1824 - 1897) vermacht. Heute werden Dokumente aus rund 130 Nachlässen im Archiv verwaltet.
Digitalisierung der Bestände bis 2032 geplant
Neben Besucher- und Benutzerverkehr will das Archiv die wissenschaftliche Zusammenarbeit mit Universitäten und anderen Archiven vorantreiben. Zudem soll in den kommenden Jahren die Digitalisierung des Bestands verstärkt werden. Ziel sei es, bis etwa 2032 alle Schriften in digitaler Form vorliegen zu haben, sagte Fischer. Zur feierlichen Wiedereröffnung konnte sich das Archiv zudem über ein ganz besonderes Präsent freuen: Von einer Gönnerin bekam das Archiv 140 Briefe aus dem Nachlass Friedrich Nietzsches geschenkt.
Kulturstaatsminister Bernd Neumann bezeichnete die Wiedereröffnung als "einen großen Schritt" auf dem Weg zur Realisierung des Masterplans "Kosmos Weimar". "Der Neubau eines Bauhaus-Museums und der Ausbau des Stadtschlosses zur 'Neuen Mitte' des klassischen Weimars werden folgen."
dapd


