Trotz der anhaltenden Kredit- und Medienaffäre setzt Bundespräsident Christian Wulff offenbar weiter auf seinen Verbleib im Amt. Nach Informationen der "Bild am Sonntag" sagte Wulff am Freitag vor Mitarbeitern, er wolle dem Amt den zweiten Rücktritt nach dem von Horst Köhler im Mai 2010 ersparen. Grüne und SPD boten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an, nach einem Rücktritt Wulffs gemeinsam einen Nachfolger zu suchen.
Nach dem Bericht der "Bams" sagte Wulff beim amtsinternen Neujahrsempfang: "In einem Jahr ist das alles vergessen." Der Präsident habe sich zuversichtlich gezeigt, "dass dieses Stahlgewitter bald vorbei ist", berichtete das Blatt unter Berufung auf eigene Informationen. Aus Teilnehmerkreisen verlautete, sie hätten Wulff nicht so verstanden, dass er die Affäre habe kleinreden wollen.
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SPD-Chef Sigmar Gabriel bot Merkel unterdessen eine gemeinsame Suche nach einem Nachfolger an, sollte Wulff zurücktreten. In dem Fall sei die SPD bereit, gemeinsam mit Union und FDP eine parteiübergreifende Lösung zu finden, sagte Gabriel der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". In der Bundesversammlung, die das deutsche Staatsoberhaupt wählt, hätte Schwarz-Gelb nach jetziger Lage nur eine hauchdünne Mehrheit. Auch Grünen-Chefin Claudia Roth plädierte in der "Welt am Sonntag" für eine gemeinsame Kandidatensuche.
Sowohl Gabriel als auch Roth bekräftigten ihre Kritik an Wulff. In Berlin demonstrierten nach Polizeiangaben am Samstag rund 450 Menschen vor dem Schloss Bellevue gegen Wulff. Auch in der Koalition gab es weiterhin Kritik vor allem an dessen Krisenmanagement. Unions-Parlamentsgeschäftsführer Peter Altmaier (CDU) rechnet nach eigenen Angaben damit, dass die Affäre noch eine Weile andauern wird. "Wir werden uns mit der Klärung von Sachfragen noch eine Reihe von Tagen oder Wochen zu beschäftigen haben", sagte er am Samstag dem Deutschlandfunk.
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Unterdessen kamen weitere Einzelheiten der Affäre ans Licht. So soll Wulff in seinem umstrittenen Anruf bei "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann nach Informationen des "Spiegel" sowohl mit strafrechtlichen Folgen gedroht als auch um eine Verschiebung der Privatkredit-Geschichte gebeten haben. Wie das Magazin weiter berichtete, hinterließ Wulff auch bei Springer-Chef Mathias Döpfner eine ähnlich harsche Nachricht auf der Mailbox.
Für Wirbel sorgte SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles mit ihrer Forderung nach Neuwahlen im Fall eines Wulff-Rücktritts. Gabriel widersprach umgehend: Die SPD würde dann "keine weiteren Forderungen wie etwa die nach Neuwahlen erheben", sagte er der "FAZ". Die Union übte scharfe Kritik am Neuwahl-Vorstoß. "Die hanebüchene Forderung von Frau Nahles nach Neuwahlen ist ein weiterer Akt im schäbigen Spiel der Opposition", sagte CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe der "Stuttgarter Zeitung" (Montagausgabe).
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Nahles hatte der "Bild am Sonntag" gesagt, bei einem Wulff-Rücktritt "muss sich Angela Merkel dem Votum der Wähler stellen". Am Samstag hatten Vertreter der Regierungskoalition vehement bestritten, dass bereits Absprachen für den Fall eines Rücktritts von Wulff getroffen wurden.


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