München (dapd). Der frühere BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky hat sich unmittelbar vor seiner Verhaftung noch schnell "diskret" mit Formel-1-Chef Bernie Ecclestone absprechen wollen. Gribkowskys Brief an den "lieben Bernie" wurde am Donnerstag bei der Zeugenvernehmung Ecclestones vor dem Münchner Landgericht verlesen. Der Rennsport-Mogul sagte, der Banker habe wie "ein Damoklesschwert" über ihm geschwebt und ihn jahrelang "in Angst versetzt" mit der Drohung einer Steueranzeige beim Finanzamt.
Gribkowsky ist angeklagt, beim Verkauf der Formel-1-Anteile der Bayerischen Landesbank rund 44 Millionen Dollar Bestechungsgeld von Ecclestone und dessen Familienstiftung Bambino kassiert zu haben. Als die Staatsanwaltschaft Ende 2010 nach der Herkunft der Millionen fragte, die Gribkowsky in seiner österreichischen "Privatstiftung Sonnenschein" angehäuft hatte, alarmierte er Ecclestone per Brief.
Auf Fragen habe er angegeben, dass er mit dem Formel-1-Chef eine Geschäftsbeziehung aufgebaut habe als Berater und dass das Geld krebskranken Kindern zugutekomme. Denn es "kann sein, dass Leute nach Gründen suchen", zitierte der Vorsitzende Richter Peter Noll aus Gribkowskys Brief an Ecclestone. Sein Anwalt werde "bald diskret Kontakt" mit ihm aufnehmen.
Dazu kam es laut Ecclestone aber nicht mehr. Gribkowsky wurde am 5. Januar 2011 verhaftet.
Die Millionenzahlungen seien auf Gribkowskys Wunsch über Mittelsmänner und Briefkastenfirmen verschleiert worden, sagte Ecclestone. Es sei aber kein Bestechungsgeld, sondern Schweigegeld wegen Gribkowskys "ganz liebenswürdiger" Drohungen mit einer Steueranzeige gewesen, die ihn zwei Milliarden Pfund hätte kosten können: "Der Grund für die Zahlung war Einschüchterung", sagte Ecclestone. "Gribkowsky war sehr raffiniert darin, mich subtil zu bedrohen und in Angst zu versetzen. Ich bin oft bedroht worden, aber so raffiniert wie von Gribkowsky noch nie." Eine konkrete Forderung habe der Banker nie gestellt. Die Zahlung habe er sich mit Bambino geteilt.
In Bedrängnis kam Ecclestone, als er die völlige Unabhängigkeit der Bambino-Stiftung betonte. Die Stiftung seiner damaligen Frau hatte 25 Prozent der Formel-1 gehalten. "Ich habe niemals mit meiner Frau über irgendwelche Geschäfte gesprochen", sagte Ecclestone. Die Staatsanwälte erklärten diese Aussage für völlig unglaubwürdig.
Für Heiterkeit im Gerichtssaal sorgte der 81-Jährige, als er die Beziehung des "sehr charmanten" Gribkowsky zu seiner Frau schilderte: "Meine Frau und ihr Saufkumpan", sagte Ecclestone. "Meine Frau traf Herrn Gribkowsky bei Rennen. Sie haben gern einen zusammen getrunken und sich unterhalten." Gribkowsky "genoss den Lifestyle". Er habe sich manchmal gesorgt, was seine Ehefrau mit dem Banker im Wohnmobil besprochen habe - ob sie ihn zum Beispiel über die Freundinnen ihres Ehemannes ausfrage, sagte Ecclestone und fügte hinzu: "Ich habe nur eine!"
Für die Vermittlung eines Käufers der Formel-1-Anteile habe er von der BayernLB eine Provision von über sechs Prozent des Kaufpreises verlangt, sagte Ecclestone. Ohne ihn hätte es keinen Verkauf gegeben. Gribkowsky habe zwei Prozent angeboten und schließlich fünf Prozent akzeptiert. Zuvor habe er erfolglos versucht, die Formel-1-Beteiligung an Autokonzerne zu verkaufen.
dapd


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