Nach dem Scheitern der Verhandlungen über eine Expertenregierung steht Griechenland vor Neuwahlen. Die Präsidentschaft von Staatschef Karolos Papoulias teilte amit, die Gespräche mit den Parteichefs seien "erfolglos" zu Ende gegangen. Die Bundesregierung und der Internationale Währungsfonds (IWF) zeigten sich besorgt.
Das griechische Parlament müsse nun neu gewählt werden, sagte der Vorsitzende der sozialistischen Pasok, Evangelos Venizelos, nach dem entscheidenden Gespräch mit Papoulias. Dieser lud die Parteichefs für Mittwoch zu Beratungen über eine Übergangsregierung bis zur Wahl im Juni ein. Der scheidende Regierungschef Lucas Papademos steht dafür nach eigenen Angaben nicht mehr zur Verfügung.
Papoulias hatte am Montag als letzten Ausweg aus der politischen Krise ein Expertenkabinett vorgeschlagen. Zuvor waren bereits mehrere Versuche zur Regierungbildung gescheitert. Das Parlament soll nun am Donnerstag erstmals zusammentreten und könnte sich umgehend auflösen. Wahrscheinlicher Termin für die Neuwahl ist laut Medienberichten der 17. Juni.
Griechenland war seit November von einer Übergangsregierung unter Papademos, dem früheren Vizechef der Europäischen Zentralbank, geführt worden. Bei der Parlamentswahl am 6. Mai wurde die konservative Nea Dimokratia stärkste Kraft, vor der linksradikalen Syriza, welche die Sparpolitik ablehnt. An dem Treffen mit Papoulias nahmen Antonis Samaras von der Nea Dimokratia, Alexis Tsipras von der Syriza, Venizelos von der Pasok, Panos Kammenos von den Unabhängigen Griechen und Fotis Kouvelis von der linksdemokratischen Dimar teil.
Wie aus Dokumenten über ein Treffen von Papoulias mit Samaras, Venizelos und Tsipras am Sonntag hervorging, zeigte sich der Staatschef schon zu diesem Zeitpunkt enttäuscht von den Gesprächspartnern. Demnach warnte Papoulias vor einem Schwinden der Geldreserven und einem Zusammenbruch des Bankensystems.
Griechenland befindet sich seit fünf Jahren in der Rezession. Trotz der Krise wollen die Euroländer Griechenland in der Währungsgemeinschaft halten, wie die Finanzminister am Montag bekräftigten. Der Euro erreichte am Dienstag nach dem Scheitern der Gespräche in Athen zwischenzeitlich ein Viermonatstief von 1,2771 Dollar.
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte in Brüssel erneut, das Hilfsprogramm für Griechenland sei "nicht verhandelbar". Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) nannte die gescheiterten Verhandlungen in Wien einen "herben Rückschlag". IWF-Chefin Christine Lagarde brachte ihrerseits in Paris einen "geordneten Ausstieg" Griechenlands aus der Eurozone ins Gespräch.





