Die Europäer ringen um weitere Milliarden-Stützen für Griechenland. "Wenn unsere griechischen Freunde ihren Anteil beitragen, müssen wir sie unterstützen", sagte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso. Noch vor dem EU-Gipfel am Montag wollten die Beteiligten ihr Konzept absichern, die Maximalverschuldung Athens im Jahr 2020 auf 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu begrenzen.
Die gemeinsamen Inspektionen der Europäischen Kommission, der Europäischen Zentralbank (EZB) und des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Athen ergaben nach übereinstimmenden Angaben von europäischen Diplomaten, dass die Verschuldung Griechenlands 2020 bei 125 bis 127 des BIP liegen würde. Der IWF beharrt vor der Bereitstellung weiterer Kredite auf einer Reduzierung auf den Wert von 120 Prozent - was sich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) am Freitag zu Eigen machte. Der Fehlbetrag liegt bei zehn bis 15 Milliarden Euro.
Wenn Griechenland zahlungsunfähig würde, wäre dies ein "großes Problem" für die gesamte Eurozone, sagte Barroso. Luxemburgs Regierungschef Jean-Claude Juncker forderte die Eurostaaten auf, auf einen Teil ihrer Forderungen an Griechenland zu verzichten. Bei den Verhandlungen mit den Privatgläubigern über einen Schuldenschnitt sei das geplante Ziel nicht "ganz zu erreichen", sagte Juncker.
Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann verwies auf bereits absehbare starke Belastungen für die Banken. "Das sind immerhin fast 70 Prozent Verlust, die wir in Kauf nehmen, das ist sehr, sehr viel", sagte Ackermann im Fernsehsender n-tv. Griechenland verhandelt seit Wochen mit den privaten Gläubigern über einen Schuldenschnitt, der Voraussetzung für ein neues Hilfspaket der Euroländer und des IWF in Höhe von 130 Milliarden Euro ist.
IWF-Chefin Christine Lagarde sagte beim Weltwirtschaftsforum in Davos, die Annahme der bisher von den Gläubigern präsentierten Vorschläge sei für Griechenland "nicht wünschenswert" gewesen. Sie sei indes zufrieden, dass die Verhandlungen fortgesetzt würden. Juncker schloss im "Handelsblatt" nicht aus, dass auch die EZB Griechenland Schulden erlassen müsse.
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) kritisierte erneut mangelnde Sparbemühungen in Griechenland. "Vor zwei Jahren hat Griechenland Versprechen abgegeben, und nicht alle wurden gehalten", sagte er im schweizerischen Davos. Laut griechischen Medienberichten legte Regierungschef Lucas Papademos seinem Kabinett einen Plan mit neuen Sparvorhaben in Höhe von 2,2 Milliarden Euro vor.
Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) widersprach Forderungen nach vorschnellen weiteren Finanzhilfen der staatlichen Geber. "Ich kann keinen Sinn darin erkennen, dass jede Woche mehr Geld ins Schaufenster gelegt werden soll", sagte er in Brüssel. Die öffentliche Hand sei schon "mit unglaublichen, atemberaubenden Summen" in der Verantwortung. Auch der französische Europaminister Jean Leonetti sagte, es gebe "keinen besonderen Grund", von den bisherigen Plänen abzuweichen und die öffentlichen Kassen stärker zu belasten.


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