Charleston (dapd). Bei der Vorwahl der Demokraten im US-Staat West Virginia haben 40 Prozent der Wähler lieber für einen Häftling gestimmt als für Präsident Barack Obama. Allein die Tatsache, dass Keith Judd gegen Obama antrat, war für einige Wähler offenbar Grund genug, ihm ihre Stimme zu geben. Judd verbüßt in Texas eine Haftstrafe wegen Drohungen an der Universität von New Mexico 1999.
"Ich habe gegen Obama gestimmt", sagte Ronnie Brown, ein 43-jähriger Elektriker aus Cross Lanes, der sich als konservativer Demokrat bezeichnet. "Ich mag ihn nicht. Er hat den Staat nicht vorangebracht." Auf die Frage, für welchen Kandidaten er gestimmt habe, antwortete Brown: "Den Typ aus Texas".
Judd musste für seine Kandidatur 2.500 Dollar (1.900 Euro) Gebühr aufbringen und einige Papiere ausfüllen, wie ein Behördensprecher erklärte. Ob er alle notwendigen Formulare eingereicht hat, wird nun noch einmal überprüft. Normalerweise darf ein Kandidat, der mehr als 15 Prozent der Stimmen erhalten hat, einen Delegierten zum Parteitag der Demokraten entsenden. Der Geschäftsführer der Demokraten in West Virginia, Derek Scarbro, erklärte jedoch, bisher habe sich niemand dafür gemeldet.
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Die Kohleindustrie in West Virginia ist auf die Energiepolitik Obamas und die Umweltschutzbehörde (EPA) nicht gut zu sprechen. Der Staat ist der zweitgrößte Kohleproduzent der USA und sowohl Gouverneur Earl Tomblin als auch Senator Joe Manchin - beide Demokraten - haben stets das Wohl der Industrie im Auge. Sie haben sich noch nicht dazu geäußert, ob sie Obama bei der Präsidentenwahl im November unterstützen.
Auch Wähler in anderen konservativen Staaten haben in den Vorwahlen ihre Unzufriedenheit mit Obama ausgedrückt. So erhielt in Oklahoma der Abtreibungsgegner Randall Terry 18 Prozent der Stimmen. Ein Anwalt aus Tennessee, John Wolfe, erzielte bei der Vorwahl in Louisiana fast 18.000 Stimmen. In Alabama entschieden sich 18 Prozent der demokratischen Wähler für "neutral", statt Obama ihre Stimme zu geben. Und auch bei der Vorwahl in North Carolina am Dienstag gaben 21 Prozent der Wähler "keine Präferenz" bezüglich des Kandidaten an.
Bei der Vorwahl 2008 hatte Hillary Clinton ihren damaligen Widersacher Obama in West Virginia klar geschlagen. Bei der Präsidentenwahl verlor er den Staat an den republikanischen Kandidaten John McCain. Bei der letzten Umfrage in Januar kam Obama in West Virginia auf eine Zustimmungsrate von 32,7 Prozent. Niedrigere Werte erhielt er nur noch in Utah, Idaho, Oklahoma und Wyoming.
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