Hamburg (dapd-nrd). In Sachen UNESCO-Weltkulturerbe vertraut Hamburg jetzt auf die Sterne. Von den zwei neuen Kandidaten, welche die Hansestadt bei der Kultusministerkonferenz (KMK) ins Rennen schickt, sieht der Senat vor allem für die Sternwarte in Bergedorf gute Erfolgsaussichten. "Denn Denkmäler der Wissenschaft sind auf der Liste bislang unterrepräsentiert", sagte Kulturstaatsrat Nikolas Hill am Dienstag bei der Vorstellung der Bewerbung im Rathaus.
Für den ebenfalls vorgeschlagenen Jüdischen Friedhof Altona seien die Chancen hingegen "schwer abschätzbar, weil auch andere Bundesländer jüdische Friedhöfe vorschlagen wollen", sagte Hill. Jedes Bundesland kann der Kultusministerkonferenz (KMK) bis zum 1. August zwei Vorschläge unterbreiten. Die KMK prüft die Kandidaten auf deren "außergewöhnlichen universellen Wert" und nimmt sie gegebenenfalls auf die deutsche Bewerberliste für die UNESCO auf.
Derzeit gibt es laut der UNESCO 962 Welterbestätten in 157 Ländern, davon 37 in Deutschland. Dahinter steht die Erwägung, "dass Teile des Kultur- oder Naturerbes von außergewöhnlicher Bedeutung sind und daher als Bestandteil des Welterbes der ganzen Menschheit erhalten werden müssen", wie es in der Präambel der Welterbekonvention heißt, die bis heute von 189 Staaten ratifiziert wurde. Hamburg kann bislang noch kein Weltkulturerbe vorweisen. Lediglich der Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer steht als Teil des Weltnaturerbes Wattenmeer auf der UNESCO-Liste.
Das Chilehaus mit der angrenzenden Speicherstadt pendelt seit 14 Jahren im Bewerbungsprozess. Die KMK setzte es 1998 auf die sogenannte Tentativliste, mit der Deutschland seine Welterbe-Kandidaten bei der UNESCO nominiert. Da aber nur ein Weltkulturerbe pro Jahr vorgeschlagen werden darf, gibt es lange Wartezeiten. Erst 2014 wird die Bewerbung des Chilehauses der UNESCO vorgelegt, die darüber ein Jahr später entscheiden will.
Eine Welterbe-Bewerbung kostet wegen der aufwendigen Kartografierung, Fotografierung und wissenschaftlichen Untersuchung pro Stätte etwa 350.000 Euro, wie Kulturstaatsrat Hill sagte. Ist der prestigeträchtige Status erstmal erteilt, fielen aber kaum zusätzliche Kosten an, da die Stätten bereits unter Denkmalschutz stünden und entsprechend gepflegt würden.
Die Sternwarte in Hamburg-Bergedorf feiert in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen. Sie besteht aus mehreren Kuppelbauten und verschiedenen Teleskopen. Ihre technische Ausrüstung spiegelt den Übergang von der klassischen Astronomie zur modernen Astrophysik wider.
Hamburgs zweiter Vorschlag hat eine noch längere Geschichte: Vor etwa 400 Jahren legten portugiesische und deutsche Juden am nördlichen Rand von Altona einen Friedhof an. Mehr als 8.000 aufwendig dekorierte Grabsteine und Fragmente sind heute auf der fast zwei Hektar großen Fläche erhalten.
Die KMK will 2014 entscheiden, ob sie Hamburgs neue Vorschläge auf die Tentativliste setzt, die nur alle 15 Jahre erstellt wird. Derweil prüft die Hansestadt, ob sie sich zusätzlich gemeinsam mit internationalen Partnern bewirbt, die ähnliche Denkmäler haben. So könnte der langwierige Bewerbungsprozess beschleunigt werden. Im Gespräch seien Argentinien mit der Sternwarte "La Planta" bei Buenos Aires und der südamerikanische Staat Surinam mit einer alten jüdischen Siedlung samt Friedhof, sagte Hill.
dapd


