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    Hamburgs Kreative fordern niedrigere Mieten und mehr Unterstützung

    Hamburg (dapd). Die Hamburger Kulturszene reagierte Anfang des Jahres auf die Ernennung Barbara Kisselers zur neuen Kultursenatorin überwiegend positiv. Die parteilose Politikerin sprach davon, der Kultur der Hansestadt "ein neues Selbstbewusstsein zu geben" und die freien Künste angemessen fördern zu wollen. Am Freitag (10. Juni) kommt der Kulturausschuss zu seiner ersten Sitzung nach der Bürgerschaftswahl zusammen.

    Das Gremium will unter anderem darüber beraten, wie die Förderbedingungen für die freie Theater- und Tanzszene verbessert werden können. Doch auch in anderen Kulturbereichen sehen die Betroffenen Handlungsbedarf. Grundlage der Beratungen ist ein Bericht der Universität Hamburg, in dem Wissenschaftler die Förderstrukturen und Arbeitsbedingungen von freischaffenden Künstlern analysiert haben.

    Bislang werde die freie Theaterszene mit rund 400.000 Euro jährlich unterstützt, sagte Kisseler jüngst im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dapd. Wenn sich in der Szene etwas bewegen solle, müsse dieser Betrag "in einem ersten Schritt verdoppelt werden", erklärte Kisseler.

    Darüber hinaus müssten die Förderbedingungen für die Theater vereinfacht werden. Bislang könnten die Betroffenen nur einmal im Jahr zu einer bestimmten Frist Fördermittel beantragen, sagte die Senatorin. Vorstellbar wäre es, mindestens zweimal pro Jahr eine solche Förderung zuzulassen, sagte die Senatorin.

    Dem Vorsitzenden des Dachverbandes Freier Theaterschaffender Hamburg (DFT), Alexander Pinto, gehen diese Vorschläge nicht weit genug. Ein wesentliches Problem sei die finanzielle Ausstattung der Theater, sagte Pinto. Um von einer "substanziellen Förderung" sprechen zu können, müsste der Senat etwa 1,5 bis 2 Millionen Euro in die freie Theaterszene investieren. Alles andere sei "Kleckerkram", der niemandem etwas bringe, kritisierte Pinto.

    Neben der Finanzierung kämpft die freie Theaterszene der Hansestadt wie viele andere Kulturschaffende mit finanzierbaren Proberäumen und Ateliers. "Oft müssen die Theaterprojekte für Probebühnen 25 Prozent ihres Budgets ausgeben", sagte Pinto. Hier bestehe dringender Handlungsbedarf.

    Ähnlich geht es anderen Kulturschaffenden in Hamburg. Es sei eine große Herausforderung bezahlbare Arbeitsräume zu finden, sagte der Produktdesigner Nathanael Gourdin im dapd-Interview. Der gebürtige Franzose versucht seit drei Monaten, als Designer in Hamburg Fuß zu fassen. "Das größte Problem sind sicherlich die hohen Mieten", sagte Gourdin.

    Mit vier Mitarbeitern betreibt er bereits seit 2006 ein Büro in Leipzig. Der Designer hat sich mit seinen Kollegen auf die Gestaltung von Beschilderungen in Gebäuden wie Museen, Shoppingmalls und Krankenhäusern spezialisiert. "In Leipzig arbeiten wir in einem 170 Quadratmeter großen Büro", sagte Gourdin. In Hamburg müsse man sich für das gleiche Geld eben mit einem Drittel der Fläche begnügen.

    Dass die Mieten in der Hansestadt für die Kulturschaffenden oft ein Problem darstellen, ist der Kultursenatorin bekannt. Hamburg müsse sich davon verabschieden, jede freie Fläche nur unter ökonomischen Gesichtspunkten zu betrachten, sagte Kisseler. Vorstellbar sei, dass Flächen für einen befristeten Zeitraum für Mietpreise zur Verfügung gestellt würden, die sich Künstler auch leisten könnten. "Gute Möglichkeiten für solche Projekte sehe ich in Teilen der HafenCity", sagte Kisseler.

    Die Beratungen zu den Förderstrukturen von freien Künstlern im Kulturausschuss am Freitag sind nach Ansicht Kisselers nur ein erster Schritt bei der Unterstützung der Szene. Um Grundlegendes zu bewirken, müsse in Legislaturperioden gedacht werden.

    dapd

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