Berlin/Wiesbaden (dapd). Dem deutschen Handwerk geht der Nachwuchs aus: Kurz vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres sind noch 20.000 Lehrstellen unbesetzt. Zudem mache der Branche der Mangel an qualifizierten Kräften zu schaffen, sagte Handwerkspräsident Otto Kentzler der Zeitung "Die Welt" (Freitagausgabe).
"Es wird immer schwieriger, die Lehrstellen zu besetzen, vor allem im Osten". fügte Kentzler hinzu. Da die Zahl der Schulabgänger sinke, stiegen nun die Chancen für schwache Bewerber. Kentzler kritisierte: "320.000 Jugendliche in schulischen Warteschleifen, bezahlt von den Arbeitsagenturen, sind zu viel." Vielmehr müssten diese jungen Leute durch eine praxisnahe Berufsvorbereitung in den Betrieben an eine Lehre herangeführt werden.
Bewerber mit unzureichenden Kenntnissen
41 Prozent der Betriebe hätten Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung, jeder vierte davon habe trotz intensiver Bemühungen kein geeignetes Personal finden können. Der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) führte das zum einen auf einen "wirtschaftlichen Aufschwung in so gut wie allen Branchen" zurück. Zum anderen meldeten sich "oft nur Bewerber mit unzureichenden Kenntnissen". 39 Prozent der Betriebe kritisierten außerdem eine mangelnde Arbeitsbereitschaft. "Wir erwarten schon, dass die Leute auch arbeiten wollen", sagte Kentzler.
Wie das Statistische Bundesamt am selben Tag mitteilte, beschäftigen die Handwerksbetriebe in Deutschland laut einer Zählung von 2008 rund fünf Millionen Menschen. Damit sei das Handwerk noch stärker als bislang angenommen, sagte Kentzler. Der ZDH hatte mit knapp 4,5 Millionen Beschäftigten gerechnet.
Zuletzt hatten die Statistiker 1995 entsprechende Zahlen vorgelegt. Die aktuellen Daten zeigten eindrucksvoll die zentrale Bedeutung des Handwerks für den Wirtschaftsstandort Deutschland, sagte Kentzler.
dapd


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