Berlin (dapd). Handwerkspräsident Otto Kentzler wirft der Bundesregierung Versäumnisse bei der Reform der sozialen Sicherungssysteme vor. Kentzler sagte der Nachrichtenagentur dapd, bei den Sozialversicherungen gebe es weiter "gravierende Strukturprobleme". Diese würden nur von den hohen Einnahmen wegen der florierenden Konjunktur verdeckt.
Kentzler kritisierte, Reformbemühungen etwa bei der Pflegeversicherung blieben "in zaghaften Ansätzen stecken". Im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung werde "gar nicht mehr ernsthaft über Reformen gesprochen".
Der Handwerkspräsident fügte hinzu: "In der Rentenversicherung wird weiter gerne über neue Ausgaben geredet, statt die Beitragsbelastung weiter nachhaltig zu senken." Immerhin steige die Zustimmung zur Rente mit 67. Damit verbesserten sich die Chancen, "mit geeigneten Regelungen individuell flexible Möglichkeiten für den Übergang ins Rentenalter zu vereinbaren".
Kentzler kritisierte ferner die Bildungspolitik in Deutschland: "Haupt- und Realschulen werden weiterhin vernachlässigt." Er warnte: "Den Jugendlichen wird ihre Zukunft verbaut, wenn ihnen das Minimum fehlt: Abschluss, ausreichende deutsche Sprachkenntnisse und elementare Rechenkenntnisse."
Wichtig sei zudem, "dass sich nach dem Bund auch die Länder zur Bedeutung des dualen Systems der beruflichen Bildung in Deutschland bekennen". Kentzler fügte hinzu: "Die Verhandlungen zum Deutschen Qualifikationsrahmen stocken, weil die Bundesländer die komplexen Berufsabschlüsse etwa aus dem Handwerk und das Abitur nicht auf einer Stufe einordnen wollen."
Es könne aber "nicht das Ergebnis von Bildungspolitik sein, den wichtigsten Faktor des Wirtschaftsstandortes Deutschland zu schwächen: die weltweit geneidete duale Berufsbildung". Kentzler betonte: "Es ist doch unsere Stärke, dass wir sowohl die Ingenieure in Forschung und Planung haben als auch die Meister und Gesellen, die das dort Erdachte verstehen und umsetzen."
dapd


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