Schönefeld/Berlin (dapd-lbg). Der neue Hauptstadtflughafen in Schönefeld wird erst nach der Sommerpause eröffnet. Die ursprünglich für 3. Juni geplante Inbetriebnahme wurde am Dienstag überraschend abgesagt. Ein neuer Termin steht noch nicht fest.
Grund für die Verzögerung seien Probleme mit Brandschutzanlagen, sagte der Chef der Flughafengesellschaft, Rainer Schwarz, in Schönefeld. Die Anlagen hätten "nicht den Reifegrad erreicht, die eine Abnahme erlauben würden". Ohne diese Abnahme könne ein öffentliches Terminal aber nicht in Betrieb gehen, sagte Schwarz.
Nach Einschätzung von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer ist die Verschiebung richtig. "Berlin kann sich keinen Pannenflughafen leisten", sagte der CSU-Politiker. Zwar sei der veränderte Starttermin "bedauerlich". Aber ein reibungsloser und absolut sicherer Betrieb müsse gewährleistet sein.
Flughafenchef Schwarz schloss einen Rücktritt von seinem Posten aus. Er werde in dieser wichtigen Situation genauso intensiv wie bisher weiter arbeiten. Eine Rücktrittsforderung kam unter anderem von der Berliner Industrie- und Handelskammer.
Der teilweise schon begonnene Umzug von Tegel nach Schönefeld werde sofort gestoppt, sagte Schwarz. Regressforderungen der Fluggesellschaften wegen der Verschiebung des Eröffnungstermins seien nicht auszuschließen. Der Flugverkehr werde nun zunächst weiter an den bisherigen Standorten in Tegel und Schönefeld abgewickelt, sagte Schwarz. Nach einer ersten Übersicht könnten alle Flüge wie geplant durchgeführt werden.
Die Lufthansa hat nach eigenen Angaben für den neuen Flughafen ihr größtes Expansionsprogramm in der Unternehmensgeschichte an einem Standort vorgesehen. So nahm sie einige neue Destinationen ab Berlin in ihr Flugprogramm auf, die jetzt ab Tegel angeflogen werden sollen. Die zusätzlichen Flüge in Tegel und Schönefeld zu realisieren, sei keine leichte Aufgabe, sagte der Leiter der Deutschen Flugsicherung Berlin, Hans Niebergall.
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit sagte, dies sei "kein guter Tag" für den Flughafen und die Bürger der Region. Obwohl alles getan worden sei, um den Eröffnungstermin sicherzustellen, sei dies nun aus Brandschutz- und Sicherheitsgründen nicht möglich, fügte der SPD-Politiker hinzu, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH ist. Die Geschäftsführung des Flughafens werde die Frage beantworten müssen: "Hätte man das nicht vorher schon erkennen können?" Die Gesellschafter behielten sich Regressforderungen vor.
Die Publikumstage am Wochenende (12./13.Mai) sollen nach Wowereits Angaben trotz der Verschiebung der Eröffnung stattfinden. Personelle Konsequenzen schloss der Regierungschef aus. "Was soll das bringen, jetzt Köpfe rollen zu lassen", fragte er. "Ich brauche jeden, der jetzt dafür arbeitet, dass der Flughafen möglichst schnell eröffnen kann."
Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) sprach von einer "mehr als bösen Überraschung". Er sei bis Montagabend davon ausgegangen, dass die Eröffnung am 3. Juni stattfindet. "Ich verhehle nicht, dass ich stinksauer bin." Er rechne damit, dass der Flughafen in der zweiten Augusthälfte eröffnet wird. Die feierliche Eröffnung des Flughafens am 24. Mai, zu der auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und 40.000 Gäste erwartet wurden, wurde nach Platzecks Angaben abgesagt.
Von einer Katastrophe für die Region durch die Verschiebung spricht der brandenburgische Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke). Der "Märkischen Oderzeitung" (Mittwochausgabe) sagte er: "Da bauen wir den modernsten Flughafen der Welt und bringen ihn nicht in Gang." Die gesamte Imagekampagne, die in den vergangenen Monaten betrieben wurde, sei umsonst gewesen.
Flughafen-Technik-Chef Manfred Körtgen war kürzlich auf der Bilanzpressekonferenz der Flughafengesellschaft noch davon ausgegangen, dass bis 3. Juni die Brandschutzvorkehrungen sukzessive abgenommen sein würden. "Seit gestern Abend wissen wir, dass die Fertigstellung und anschließende bauliche Abnahme nicht mehr zu realisieren ist", sagte Körtgen.
Er räumte weitere technische Probleme beispielsweise beim Check-in, bei Türsteuerungen und im Computersystem ein. Aber diese Probleme sind nach Einschätzung von Körtgen zu bewältigen und nicht relevant für die Inbetriebnahme des Flughafens.
dapd


