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    Heftiger Schlagabtausch zur Europa-Politik

    Berlin (dapd). Die Debatte über die Erweiterung des Euro-Rettungsschirms EFSF im Bundestag hat mit heftigen gegenseitigen Attacken von Koalition und Opposition begonnen. FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle warf der früheren rot-grünen Regierung am Donnerstag vor, Schuld an der derzeitigen Krise in Europa zu sein. Dagegen beschuldigte Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin die Bundesregierung, zu zögerlich zu agieren. Vor der namentlichen Abstimmung hofften Vertreter von Schwarz-Gelb weiter auf eine eigene Mehrheit.

    Der Unions-Fraktionsvorsitzende Volker Kauder bezeichnete die Abstimmung als "wichtige Entscheidung für die Zukunft unseres Landes und die Zukunft Europas". Deutschland habe ein "existenzielles nationales Interesse" an der Stabilität des Euro, sagte der CDU-Politiker.

    Der EFSF-Schirm soll mit einem Volumen von 440 Milliarden Euro klamme Staaten der Euro-Zone vor Zahlungsschwierigkeiten schützen. Deutschland haftet dabei mit maximal 211 Milliarden Euro. Gleichzeitig muss das deutsche Parlament allen wichtigen Entscheidungen, vor allem neuen Zahlungen, seine Zustimmung erteilen.

    Auch Brüderle warb um Zustimmung für die Erweiterung des EFSF. Es gehe darum, die Wirtschaftskraft Europas und die Gemeinschaftswährung zu stärken. Zugleich attackierte er SPD und Grüne scharf. "Ihre Aufnahme von Griechenland" in die Währungsunion, "ihre Fehlentscheidungen" und "ihre Brechung des Stabilitätspakts" seien die Ursache der heutigen Probleme in Europa, rief Brüderle Grünen und Sozialdemokraten zu. Es sei "ein Glück", dass es jetzt eine andere Regierungskoalition gebe.

    Das sah der SPD-Abgeordnete und ehemalige Finanzminister Peer Steinbrück ganz anders. Es gebe viele Vorurteile gegen das Projekt Europa, die von der Regierung "durch die ein oder andere unbedachte Äußerungen" noch geschürt worden seien. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) habe die Vorzüge Europas "nicht hinreichend beleuchtet", kritisierte er. Der Bundesregierung fehle das Vertrauen der Bürger.

    Trittin erklärte, das "Zaudern und Zögern" von Schwarz-Gelb habe den deutschen Steuerzahler viel Geld gekostet, "weil es die Krise verlängert und verteuert hat." Diese Krise in Europa sei "offensichtlich zu groß für Sie", rief Trittin der Regierung zu.

    Die Linksfraktion forderte in der Debatte von Merkel eine Garantieerklärung. Die Regierungschefin müsse den Steuerzahlern versichern, dass nicht sie für die Folgen der Krise zahlen müssten, erklärte Linksfraktionschef Gregor Gysi.

    Er kritisierte auch die vorgesehene Parlamentsbeteiligung an der Verwendung des EFSF, die ansonsten breites Lob der Redner fand. Er halte es für einen Skandal, dass "schon wieder ein Geheimausschuss gebildet werden soll", der über die Auszahlung von Tranchen entscheide, sagte Gysi. Er spielte damit auf den Sonderausschuss an, der in eiligen Fällen Entscheidungen zum EFSF-Schirm treffen soll.

    Während eine Annahme des Gesetzes als sicher gilt, da auch SPD und Grüne zustimmen wollen, wird mit Spannung erwartet, ob die sogenannte Kanzlermehrheit zustande kommt. Mehrere Abgeordnete der Koalitionsfraktionen kündigten erneut ihre Ablehnung an. Dazu gehören Frank Schäffler (FDP) und Klaus Peter Willsch (CDU).

    Der Parlamentarische Geschäftsführer der Unions-Fraktion, Peter Altmaier (CDU), zeigte sich am Morgen trotzdem von einer eigenen Mehrheit der Koalition überzeugt. Er wisse, dass "einige Kollegen" im Parlament nicht zustimmen werden, es werde aber eine überwältigende Mehrheit geben, sagte Altmaier im ARD-"Morgenmagazin".

    Am Freitag stimmt auch der Bundesrat über die EFSF-Erweiterung ab. In allen 17 Euro-Ländern müssen die nationalen Parlamente dem Plan zustimmen, bevor die Erweiterung wirksam wird. In mehreren Staaten wird frühestens im Oktober entschieden.

    dapd

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    3 Kommentare

    • Jorgo  •  vor 7 Monaten
      Was wir dringend brauchen ist eine Transaktionssteuer, auch ohne London, die 1% haben sollte.
      • Metalmatze Süddeutschland vor 7 Monaten
        Ich habe vor ca. 2 Std. einen Kommentar gepostet der unerklärlicherweise immer noch nicht hier veröffentlicht ist. Darin hatte ich statt der anvisierten und heftigst kritisierten 0,05 Prozent einen Satz von 0,2 Prozent vorgeschlagen, sie gehen ja noch einen ganz guten Schritt weiter,auch ich würde selbst 1 Prozent für absolut gangbar halten, zweifle aber daran daß so ein Vorhaben eine reale Chance auf Verwirklichung hat. Daher mein Kompromissvorschlag. - Mal sehen wie weit die Sachzwänge, z. B. die Staatsverschuldungen und leere Kassen überall tiefere Einsichten und Entscheidungen in diese unumgängliche Richtung bewirken werden...
    • modus.vivendi  •  vor 7 Monaten
      Sandkastenspiele der Amateurpolitiker - Zitate
      "Der Bundesregierung fehle das Vertrauen der Bürger."
      Trittin erklärte, das "Zaudern und Zögern" von Schwarz-Gelb habe den deutschen Steuerzahler viel Geld gekostet, "weil es die Krise verlängert und verteuert hat."
      Zitatende.
      "Die Aufrechten"..?!
      Über 60 Prozent der Bundesbürger sind gegen die Rettung maroder EU-Staaten. Doch die kriminellen Parteien ignorieren, genauso wie bei der Euro-Einführung, die Wünsche ihres eigenen Volkes. Unter den Abgeordneten gibt es allerdings noch einige, wenn auch wenige, Aufrechte...
      SPD, Grüne und große Teile der Regierungskoalition sind sich darüber einig, dass der Euro-Rettungsschirm immer weiter ausgedehnt und der deutsche Steuerzahler immer mehr in Haftung genommen werden soll..! Dies ist eine Fundamentalpolitik GEGEN das eigene Volk, denn die Mehrheit der Bürger ist gegen diese Maßnahmen. Aber wie bei der Euro-Einführung auch werden auch jetzt die eigenen Bürger in unserer »Demokratie« übergangen. Doch quer durch die Parteien gibt es noch ein paar Aufrechte, die sich als Volksvertreter FÜR das Volk einsetzen und die begriffen haben, um was es eigentlich geht. Am Beispiel des CDU-Bundestagsabgeordneten Klaus-Peter Willsch möchte ich dies aufführen. Unlängst gab Herr Willsch eine Pressemitteilung heraus, die ich zitieren möchte:
      »Ich bleibe bei meinem Nein!«

      Die heutige öffentliche Anhörung des Haushaltsausschusses zur Ertüchtigung des vorläufigen Rettungsschirms für Schuldenstaaten, EFSF, hat deutlich gezeigt, dass die aktuelle Rettungsschirmpolitik die Schuldenkrise im Euroraum nicht behebt, sondern vielmehr zu einer permanenten Krisenverschärfung beiträgt. Denn bisher werde versucht,
      die übermäßige Verschuldung einzelner Staaten mit noch mehr Schulden zu bekämpfen.
      Die Etablierung einer Insolvenzordnung für Staaten, wie von den Koalitionsfraktionen am 7. Mai 2010 gefordert, sei von zentraler Bedeutung. Das sagt der CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Willsch, der als Obmann der CDU/CSU-Fraktion im Haushaltsausschuss selbst an der Anhörung teilnahm.
      ›Die Anhörung hat mich in meiner ablehnenden Haltung zur Bail-out-Politik der "Bundesregierung" bestätigt. Wir müssen endlich die Ursachen der Schuldenkrise bekämpfen und nicht ständig nur an Symptomen rumdoktern. So werfen wir nur gutes Geld dem schlechten hinterher. Das Geld, das wir mit den nahezu unbegrenzten Bürgschaften ins Schaufenster stellen, gehört unseren Kindern und Enkeln. Deswegen bleibe ich bei meinem Nein zur Umwandlung der EU in eine gigantische Schuldenhaftungsunion!‹, sagt Willsch...
      Sogar Prof. Dr. Rudolf Hickel von der Universität Bremen beklagte, dass der EFSF nicht dazu beitrage, den Schuldenstand zu reduzieren, sondern nur die Gläubigerstruktur umverteile. Die wahren Risiken seien gar nicht mehr überschaubar, viele seien in den EZB-Bilanzen versteckt....!
      Quelle:
      Pressemitteilung von Hans-Peter Willsch (MdB), 19. September 2011
    • Manuela Bauer  •  vor 7 Monaten
      Mooooooment Brüderle; wer hat denn bitte den Euro eingeführt; hm? Das war ja wohl Kohl- also die CDU! Erst nachdenken, dann das Mundwerk auf! Aber ist einfach, der Gegenpartei die Schuld zuzuweisen, oder? Auf "hübsch Kind" jetzt machen--tritt ab...
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