Frankfurt/Main (dapd). Über die Auszeichnung des Egoshooters "Crysis 2" zum Computerspiel des Jahres ist ein heftiger Streit entbrannt. Die Stadt und die hessischen Grünen gratulierten der Frankfurter Spieleschmiede "Crytek" am Freitag zur der Auszeichnung, die der Branchenverband BIU am Abend zuvor in Berlin vorgenommen hatte. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann nannte es dagegen eine "krasse Fehlentwicklung", dass die Auszeichnung an den Entwickler eines "gewaltverherrlichenden Egoshooter-Spiels" gehe.
Im Interview der Nachrichtenagentur dapd fügte der CSU-Politiker hinzu: "Dass die Jury trotz der Sorgen und Bedenken vieler an der Auszeichnung festgehalten hat, ist eine Provokation." Das Reglement für den Preis müsse nun geändert werden, damit Spiele mit einer Altersfreigabe ab 18 künftig gar nicht erst nominiert werden könnten.
Bereits vor der Preisverleihung hatte der kulturpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Wolfgang Börnsen, die Nominierung des Spiels als unvertretbar bezeichnet. Er kritisierte, dass bei der Nominierung des "Ballerspiels" vor allem technische und nicht pädagogische Aspekte eine Rolle gespielt hätten.
Das Entwicklerstudio des Spiels in Frankfurt am Main wies die Kritik zurück. "Wir haben in Deutschland die aufwendigsten Prüfungsmechanismen weltweit", sagte der Geschäftsführer der Spielschmiede "Crytek", Avni Yerli, auf dapd-Anfrage. Die Jury erklärte zur Auszeichnung des Actionspiels als bestes deutsches Computergame, damit hätten die Entwickler ein weltweites Publikum technologisch und ökonomisch überzeugt.
"Es ist nicht das erste Mal, dass ein Spiel ab 18 nominiert wurde", sagte deren Geschäftsführer Yerli. Es sei klar, dass "Crysis 2" ein Spiel ausschließlich für Erwachsene sei. Ungeachtet der Kritik sei die Freude in dem Entwicklerteam riesig. "Es ist eine sehr wichtige Auszeichnung für uns", sagte Yerli. Darüber hinaus erklärte er, dass das Unternehmen trotz seiner internationalen Ausrichtung auch in Zukunft von Frankfurt aus gesteuert werde.
Die hessischen Grünen gratulierten der Frankfurter Firma zu der Auszeichnung. "Der Preis geht an ein technisch herausragendes Spiel, dessen grafische Leistung unübertroffen ist", sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der Fraktion, Kai Klose, in Wiesbaden. Der Frankfurter Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) äußerte sich stolz über die Preisvergabe und gratulierte seinerseits der in der Stadt ansässigen Spieleschmiede, die neben dem Deutschen Entwicklerpreis auch die höchste nationale Auszeichnung für sich in Anspruch nehmen könne.
dapd


