Der sozialistische Präsidentschaftskandidat François Hollande will sich vor der Stichwahl in Frankreich auch um die Wähler der rechtsextremen Front National (FN) bemühen. Er wolle die Wähler der Rechtsextremen "überzeugen", dabei aber die traditionelle linke Wählerschaft nicht vergessen, sagte Hollande. FN-Chefin Marine Le Pen könnte ihren Anhängern empfehlen, einen ungültigen Stimmzettel abzugeben.
In dem Interview mit der Zeitung "Libération" stellte Hollande, der den ersten Wahlgang am Sonntag knapp vor Präsident Nicolas Sarkozy gewonnen hatte, seine Strategie für die zweite Runde am 6. Mai vor. Er wolle zunächst diejenigen mobilisieren, die nicht zur Wahl gegangen seien.
An zweiter Stelle wolle er alle "ernsthaften Republikaner" ansprechen, denen das Wohl Frankreichs am Herzen liege, ergänzte der 57-Jährige mit Blick auf die politische Mitte. Und dann gehe es um die Wähler der Rechtsextremen Marine Le Pen: "Ich muss sie überzeugen, dass es die Linke ist, die sie verteidigt", sagte Hollande, der für die Stichwahl in Umfragen deutlich vor Sarkozy liegt. Diese Wähler seien nicht automatisch Anhänger rechtsextremer Ideen, sondern würden vor allem eine "soziale Wut" zum Ausdruck bringen.
Hollande hob zugleich hervor, dass er sich bis zur Stichwahl vor allem an die linke Wählerschaft wenden werde. "Ich werde nicht den Fehler begehen, nur zu den anderen zu sprechen und unsere zu vergessen", sagte er. Die unterlegenen linken Kandidaten, darunter Jean-Luc Mélenchon, haben bereits ihre Unterstützung für Hollande in der Stichwahl deutlich gemacht.
Das Lager des konservativen Präsidenten setzt am 6. Mai vor allem auf die knapp 18 Prozent, die in der ersten Runde für Le Pen gestimmt hatten. Mit nationalistischen Tönen versucht Sarkozy derweil, Wähler am rechten Rand anzuziehen. "Es ist vorbei mit einem Europa, das seine Grenzen nicht verteidigt", sagte der Präsident bei einer Wahlkampfveranstaltung. Bereits vor der ersten Runde hatte Sarkozy damit gedroht, dass Frankreich vorübergehend aus dem Schengen-Abkommen für Reisefreiheit in Europa ausscheren könnte.
"Ich glaube nicht mehr an die Aufrichtigkeit von Nicolas Sarkozy", sagte Le Pen am Montagabend in einem Fernsehinterview. Die 43-jährige frühere Anwältin könnte ihren Anhängern empfehlen, am 6. Mai ungültige Stimmzettel abzugeben. Eine solche Empfehlung sei "wahrscheinlich", sagte der Vorsitzende von Le Pens Unterstützerkomitee, Gilbert Collard, im Hörfunk.
Hollande rechnet damit, dass er noch vor der Stichwahl von europäischen Regierungschefs empfangen werden könnte, die bisher noch nicht dazu bereit waren. "Die Türen werden sich vielleicht zwischen den beiden Runden anfangen zu öffnen", sagte der 57-Jährige bei einem Wahlkampfauftritt in der Bretagne. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die ihren Parteifreund Nicolas Sarkozy unterstützt, hatte Hollande bisher nicht getroffen.
Damit reagierte Merkel auch auf die Ankündigung des Sozialisten, im Falle seiner Wahl den EU-Fiskalpakt für mehr Haushaltsdisziplin nachzuverhandeln und um eine Wachstumskomponente zu ergänzen. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) stellte unterdessen klar, dass Änderungen nicht mehr möglich seien. "Jeder muss wissen: Wir haben den Pakt nach langen Verhandlungen beschlossen. Er gilt".




