Wer im Sommer eine Urlaubsreise nach Ost- oder Südeuropa plant, sollte sich vorab über mögliche Infektionsgefahren im Reiseland informieren. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie (Epidemiology and Infection, online-Vorabveröffentlichung am 25. Januar 2012), die auch die Verbreitung der infektiösen Leberentzündung Hepatitis A in verschiedenen europäischen Ländern verglichen hat - einschließlich Belgien, Deutschland, England, Finnland, Italien, Litauen, Malta, Rumänien, Slowakei und Tschechien. „In einigen Ländern Osteuropas ist das Virus noch erheblich verbreitet", berichtet Prof. Thomas Löscher von der Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin des Klinikums der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München und Infektionsexperte des Berufsverbandes Deutscher Internisten (BDI). „Dort besteht für ungeschützte Westeuropäer ein erhöhtes Ansteckungsrisiko - in Rumänien ist die Ansteckungsgefahr am höchsten. In anderen beliebten Reiseländern muss das Infektionsrisiko differenzierter betrachtet werden. So ist zum Beispiel die Ansteckungsgefahr in Norditalien nicht viel höher als in Deutschland, in Süditalien kommen mehr Menschen im Laufe ihres Lebens mit dem Erreger in Kontakt. Überall aber gilt: Je älter die Personen sind, die an Hepatitis A erkranken, desto gefährlicher ist der Verlauf." In vielen Ländern Osteuropas ist der Hygienestandard noch nicht auf dem Niveau des Westens. Insbesondere die sanitären Anlagen und Wasserleitungssysteme sind zum Teil noch sehr marode. „Vor allem über verunreinigtes Wasser wird das Hepatitis A-Virus verbreitet. Insofern erklärt sich, warum z.B. in Rumänien auch sehr viele junge Menschen und Kinder mit Hepatitis A infiziert sind. Immer wieder kommt es dann auch zu größeren Ausbrüchen, da die gefährlichen Erreger in den Wasserkreislauf geraten. In den letzten Jahren gab es solche Häufungen auch in der Ukraine und in Russland", so Prof. Löscher weiter. Daher rät der Experte auch Fußballfans aus Deutschland vor den Spielen der Nationalmannschaft in der Ukraine zu vorbeugenden Impfungen. =Über erforderliche und mögliche Schutzimpfungen sind nur wenige informiert=
Infektionskrankheiten wie Hepatitis, aber z.B. auch Grippe (Influenza), die eigentlich durch eine Schutzimpfung vermeidbar wären, tragen erheblich zum Krankheitsrisiko von Reisenden bei. Das geht zum Beispiel aus einer Untersuchung des GeoSentinel Surveillance Network hervor: Von 37.542 Reisenden, die krank nach Hause zurückkehrten, hatten sich 580 (1.5%) mit einer Krankheit angesteckt, die durch eine Schutzimpfung vermeidbar gewesen wäre - davon 148 Menschen mit akuter Hepatitis und 70 Menschen mit Influenza. Dennoch hatten nur 29 Prozent der Betroffenen sich vor ihrer Reise über mögliche Schutzimpfungen informiert. Insbesondere Reisen von längerer Dauer waren mit einer Hepatitis A- Infektion verbunden, während Geschäftsreisende eher an Grippe erkrankten. „Vor einer geplanten Reise sollte man sich unbedingt darüber informieren, welche Krankheitsrisiken im jeweiligen Land bestehen, und sich ärztlich darüber beraten lassen, welche Schutzimpfungen sowie weiteren Präventivmaßnahmen erforderlich und möglich sind", empfiehlt Prof. Löscher.
Fragen rund um das Thema Impfen können auf http://www.impfenimdialog.de/ an Experten gestellt werden, die sie innerhalb von 3 Tagen online beantworten.


