Angesichts der schweren Vorwürfe der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) gegen den Iran erhöht der Westen den Druck auf Teheran. Mehrere europäische Länder schlossen sich der Forderung der USA nach schärferen Sanktionen an und distanzierten sich damit zugleich von dem von Israel angedrohten Militärschlag gegen den Iran. Die Führung in Teheran erklärte, das umstrittene Atomprogramm niemals aufzugeben.
Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) nannte die "detaillierten Hinweise" des jüngsten IAEA-Berichts auf "eine mögliche militärische Dimension" des iranischen Atomprogramms "alarmierend". Wenn sich der Iran weiter Verhandlungen verweigere, "werden neue, schärfere Sanktionen unausweichlich". Eine Diskussion über "militärische Optionen" lehne Deutschland aber ab.
Frankreich forderte "Sanktionen von nie gekanntem Ausmaß" gegen den Iran. Dazu solle auch der UN-Sicherheitsrat eingeschaltet werden, erklärte Außenminister Alain Juppé. Auch der IAEA-Gouverneursrat müsse das iranische Atomprogramm scharf verurteilen.
Großbritannien forderte den Iran auf, den Kurs zu ändern. Die wiederholte Zusicherung des Landes, das Atomprogramm diene nur friedlichen Zwecken, werde durch den Bericht "völlig diskreditiert", sagte Außenminister William Hague. Ziel sei eine Lösung durch Verhandlungen.
Ein US-Regierungsvertreter sagte in Washington, die USA würden den Druck "aller Voraussicht nach verstärken". "Wir schließen nichts aus, wenn es um Sanktionen geht." Ein weiterer Beamter sagte, der IAEA-Bericht habe "große Besorgnis" in Washington ausgelöst.
Russland lehnte weitere Sanktionen dagegen vehement ab. "Alle weiteren Sanktionen gegen den Iran würden von der internationalen Gemeinschaft als Mittel interpretiert, das Regime in Teheran auszuwechseln", sagte Vize-Außenminister Gennadi Gatilow. Diese Vorgehensweise sei für Russland "inakzeptabel". China, das neben Russland als Verbündeter Teherans gilt, erklärte, den Bericht noch zu prüfen.
Dem IAEA-Bericht zufolge gibt es Hinweise, dass der Iran an der Entwicklung von Atomwaffen gearbeitet und dazu bereits Tests einzelner Komponenten vorgenommen hat. Während einige Aktivitäten des Iran sowohl zivilen als auch militärischen Zwecken dienten, seien andere ausschließlich auf Atomwaffen gerichtet.
Israel sieht sich vom Iran unmittelbar bedroht und hatte am Wochenende mit einem Militärschlag gedroht. Aus dem Büro von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hieß es, der Bericht werde geprüft.
Der Iran blieb von den angedrohten weiteren Sanktionen bislang unbeeindruckt: "Wir werden nicht ein Jota von dem Weg abrücken, den wir eingeschlagen haben", sagte Präsident Mahmud Ahmadinedschad. Der iranische IAEA-Vertreter Ali Asghar Soltanieh sagte, der Bericht beruhe auf "falschen Anschuldigungen", und Teheran werde diesen "historischen Fehler nicht unbeantwortet lassen". Vize-Generalstabschef Massud Dschasajeri drohte Israel mit "Zerstörung", sollte das Land die iranischen Atomanlagen angreifen.


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