Ein Vergewaltigungsprozess sorgt derzeit in Irland für Empörung. Eine junge Frau, die laut Anklage von drei Männern während ihrer Schwangerschaft vergewaltigt und missbraucht worden war, wurde von einem Richter zur Beugehaft in den gleichen Zelltrakt wie die mutmaßlichen Täter gesteckt. Der Grund: Sie war nicht mehr vor Gericht erschienen, weil der erste Prozesstag sie psychisch zu sehr mitgenommen hatte.
Die drei Männer im Alter zwischen 20 und 30 - sie stammen wie das Opfer aus Osteuropa - hatten sich für „nicht schuldig“ in allen Punkten erklärt. Laut Anklage jedoch haben sie die junge Frau im Herbst 2010 eingesperrt und dann nacheinander vergewaltigt. Zur Zeit der Tat war die junge Frau im dritten Monat schwanger. Einer der Männer gab zwar zu, Sex mit dem Opfer gehabt zu haben, bestritt aber, dass es sich um eine Vergewaltigung gehandelt habe. „Vielleicht habe ich ihr Verhalten falsch interpretiert. Ich war betrunken“, hatte er ausgesagt. Der Anklage zufolge haben die Täter während des Verbrechens die ganze Zeit über gelacht und dem Opfer Wodka ins Gesicht geschüttet.
Vor Gericht musste die junge Frau aufstehen, auf die drei Männer zugehen und sie als Täter identifizieren, berichtet der britische „Guardian“. Dabei habe sie einen so verstörten Eindruck gemacht, dass die Anwälte schon befürchteten, sie könne kollabieren. Am nächsten Tag fehlte sie bei dem Prozess – das Gericht rief die junge Frau an, erreichte aber nur ihren Partner. Der erklärte, sie habe das Haus verlassen und nur eine Notiz hinterlassen: „Sei mir nicht böse, aber ich kann nicht aussagen. Ich habe Angst.“
Richter: "Wenn sie lange sitzt, ist sie selbst schuld"
Doch der Richter wollte die Weigerung der jungen Frau, bei Gericht zu erscheinen, nicht akzeptieren. Er erließ einen Haftbefehl gegen sie: eine sogenannte Beugehaft, die sie dazu zwingen sollte, zum Prozess zu erscheinen. Das Verfahren müsse nun vertagt werden, stellte der Richter in Aussicht. „Wenn sie nun lange warten muss, ist das ihre eigene Schuld“, sagte er laut der irischen Zeitung "Independent".
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Beamte der Polizei griffen die junge Osteuropäerin am selben Abend im berauschten Zustand zuhause auf. Eine Untersuchung ergab, dass sie Wodka getrunken hatte und eine Überdosis an Schlaftabletten genommen hatte – ein Selbstmordversuch wird nicht ausgeschlossen. Nach einer Nacht im Krankenhaus wurde sie von den behandelnden Ärzten entlassen und als aussagefähig beurteilt.
Tags darauf kam sie in Beugehaft - im gleichen Zellblock wie die mutmaßlichen Vergewaltiger, mit der einzigen Auflage, dass beide Parteien räumlich getrennt werden. Bis die junge Frau wieder bereit ist, auszusagen, soll sie nun in Haft bleiben. Opferschutzgruppen in Irland sind über den Verlauf des Prozesses entsetzt und verlangen eine drastische Reform der Prozessordnung. „Es kann nicht sein, dass die Opfer sich hier als Täter fühlen,“ empört sich etwa Allen O’Malley vom irischen Krisenzentrum für Vergewaltigungsopfer.



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