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    Islamisten zerstören Weltkulturerbe in Timbuktu

    Rebellen reißen mindestens vier Heiligengräber ein

    Ungeachtet weltweiter Proteste haben islamistische Rebellen im Norden Malis mehrere zum Weltkulturerbe zählende Heiligengräber zerstört. Die mit Hacken und Meißeln ausgerüsteten Islamisten rissen nach Angaben von Augenzeugen in der Welterbestadt Timbuktu mindestens vier islamische Mausoleen ein. Malis Tourismusministerin forderte die UN-Kulturorganisation UNESCO zum Einschreiten auf.

    Wie Augenzeugen berichteten, zerstörten Mitglieder der islamistischen Rebellengruppe Ansar Dine am Samstag binnen weniger Stunden die Grabstätten der islamischen Heiligen Sidi Mahmud, Sidi Moctar und Alpha Moya. Heute rissen sie laut einem örtlichen Journalisten dann auf einem Friedhof nahe der berühmten Djingareyber-Moschee im Süden von Timbuktu das Mausoleum von Scheich al-Kebir ein. Demnach wollten sie auch gegen drei weitere Grabmäler in der Nähe vorgehen.

    Ansar Dine reagierte einem Sprecher zufolge mit den Zerstörungen auf die Entscheidung des Welterbekomitees vom Donnerstag, Timbuktu wegen des Konflikts in Mali auf die Liste des gefährdeten Welterbes zu setzen. Rebellensprecher Sanda Ould Boumana sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Gruppe wolle "ohne Ausnahme jedes Mausoleum in der Stadt zerstören". "Gott ist einzig. All dies ist Sünde. Wir sind alle Muslime. Was ist die UNESCO?", sagte Boumana.

    Aus Sicht der Islamisten ist die Verehrung von Heiligen und ihren Grabmälern durch die örtliche Bevölkerung ein Verstoß gegen den Islam, der es Gläubigen verbiete, Götter neben Allah zu verehren. Insgesamt gibt es in Timbuktu 16 Heiligengräber in der charakteristischen Lehmbauweise, die gemeinsam mit den drei großen Moscheen der Stadt seit 1988 zum Weltkulturerbe zählen.

    Malis Tourismusministerin Diallo Fadima Touré forderte bei einer Sitzung der UNESCO in St. Petersburg, "konkrete Schritte zu unternehmen, diese Verbrechen gegen das kulturelle Erbe meines Volkes zu stoppen". Ihre Regierung hatte zuvor von "Zerstörungswut" gesprochen, die "Kriegsverbrechen" gleichkomme. Die Taten hätten "nichts mit dem Islam zu tun".

    Wegen des bewaffneten Konflikts in Mali hatte das UNESCO-Welterbekomitee die Wüstenstadt Timbuktu erst am Donnerstag auf die Liste des gefährdeten Welterbes gesetzt. Am Samstag unterbrach es wegen der Zerstörung der Gräber seine Sitzung in St. Petersburg und sprach von einer "tragischen Nachricht". UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokowa erklärte, es gebe "keine Rechtfertigung für so eine mutwillige Zerstörung". Marokko forderte eine "dringende Intervention" zum Schutz des "reichen Erbes" Malis. Auch Frankreich und andere Staaten verurteilten die Taten.

    Die Islamisten hatten Ende März gemeinsam mit Tuareg-Rebellen Timbuktu unter ihre Kontrolle gebracht, nachdem die Regierung in Bamako von Soldaten gestürzt worden war. Seitdem lieferten sich die Gruppen wiederholt heftige Kämpfe um Timbuktu und andere Städte.

    Angesichts des Machtzuwachses der Islamisten rief die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) den UN-Sicherheitsrat auf, die Entsendung einer regionalen Eingreiftruppe zu unterstützen. Die Extremistengruppe Al-Kaida im Islamischen Maghreb warnte jedoch, mit "Entschlossenheit" gegen alle vorzugehen, die mit einer Interventionstruppe zusammenarbeiteten.

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