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    iSlaves: Die Kehrseite von iPad und Xbox

    Eine Protestbewegung „Occupy Apple“ gibt es noch nicht. Dabei hätten die Aktivisten, die vor der New Yorker Börse gegen die Macht der Spekulationsindustrie demonstrieren, vergangene Woche gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen können. Die Bewegung „Occupy Wallstreet“ hätte nur den Zusatz „and Apple“ auf ihre Banner schreiben müssen, um die Öffentlichkeit nicht nur gegen die globalisierte Finanzbranche zu mobilisieren, sondern auch zum Nachdenken über das derzeit erfolgreichste IT-Unternehmen zu bewegen. Denn während die Börsianer an der New York Stock Exchange über die Verdopplung des Quartalgewinns von Apple auf 13 Milliarden Dollar jubelten, kritisierten zahlreiche Medien die ausbeuterischen Zustände in chinesischen Fabriken der Fertigungsindustrie. Apple, aber auch andere IT-Konzerne wie Microsoft, Sony, HP oder Dell lassen beim weltweit größten Hightech-Produzenten fertigen, der wegen schlechter Bezahlung und menschenunwürdiger Behandlung seiner Mitarbeiter einen miserablen Ruf hat.;

    Amerikanische Medien werfen Apple vor, schon seit Jahren die desolaten Arbeitsbedingungen bei seinen Zulieferern zu kennen und nichts dagegen unternommen zu haben. Solche lauter werdenden Stimmen kann Apple, das stolz auf sein positives Image und seinen Kultstatus ist, nicht gebrauchen. Apple-Chef Tim Cook reagiert auf solche Vorwürfe zunehmend nervös. Sie seien „völlig falsch und beleidigend für uns“, kommentierte Cook einen Bericht der „New York Times“.

    Und in der Tat: Ganz so ignorant, wie manche früheren Apple-Manager ihren ehemaligen Arbeitgeber darzustellen versuchen, ist Apple nicht. Denn eine Woche vor der Veröffentlichung hoher Milliardengewinne allein in den drei letzten Monaten 2011 hatte Apple einen 500-seitigen Bericht vorgelegt, der alle Zulieferer von Apple nennt und Zustände wie Kinderarbeit, niedrige Bezahlung und Umweltverschmutzung erwähnt. Doch Cooks neue Transparenz-Strategie ging erst einmal nicht auf. Medien thematisierten dennoch die gravierenden Missstände in chinesischen Fabriken und sprechen in Anlehnung an Apples Produktnamen von iSlaves, die in den chinesischen Fertigungshallen des taiwanischen Elektronikriesen Foxconn iPhones oder iPads montieren. Besonders aktiv ist die in Hong Kong ansässige Arbeitsrechtsorganisation SACOM, die erschütternde Zustände in ihrer Studie „iSlave Behind the iPhone“ schildert. Dass dies ein Dauerthema bleiben und den Glanz von Apple trüben könnte, weiß Apple-Chef Cook nur zu gut.

    Auch andere IT-Konzerne müssen damit rechnen, dass sie für die Ausbeutung bei ihren Zulieferern zumindest moralisch in die Verantwortung genommen werden. Zu Jahresanfang geriet Microsoft in die Schlagzeilen, weil chinesische Arbeiter, die bei Foxconn Spielekonsolen für Microsoft, Sony und Nintendo fertigen, höhere Gehälter erzwingen wollten. Etwa 150 Mitarbeiter hatten sich auf dem Dach einer Fabrikhalle in der zentralchinesischen Millionenstadt Wuhan versammelt und drohten, sich in die Tiefe zu stürzen, wenn sie keine Lohnerhöhung bekämen.

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