Bei einem Protest gegen die israelische Besetzung der Golanhöhen hat Israels Militär an der Grenze zu Syrien mehrere Demonstranten erschossen. Der staatlichen syrischen Nachrichtenagentur Sana zufolge wurden sechs Menschen bei der Erstürmung von Sperranlagen getötet, das Staatsfernsehen sprach von vier Toten. Auch in anderen Orten gab es Proteste zum Gedenken an die arabische Niederlage im Sechstagekrieg von 1967.
Fernsehbilder zeigten hunderte vorwiegend junge Menschen, die sich an der Grenze nahe der Stadt Madsch el Schams versammelten und palästinensische sowie syrische Fahnen schwenkten. Sie versuchten, einen Sperrzaun zur Abriegelung eines Minenfelds entlang der Grenze zu überwinden, wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Nach dem Einschreiten der israelischen Armee wurden mindestens 20 Verletzte abgeholt; laut Sana lag die Gesamtzahl der Verletzten bei etwa hundert. Nach Angaben des syrischen Fernsehens befindet sich unter den Getöteten ein Kind.
Erst Mitte Mai kamen bei einer Kundgebung auf den Golanhöhen gegen die Staatsgründung Israels im Jahr 1948 vier Menschen durch israelisches Feuer ums Leben. Die Palästinenser bezeichnen die Staatsgründung, in deren Umfeld mehr als 760.000 von ihnen flohen oder vertrieben wurden, als "Nakba" (Katastrophe). Der neuerliche Protest fand zum 44. Jahrestag der "Naksa" statt. Mit dem Begriff bezeichnen die Palästinenser die Niederlage im Sechstagekrieg im Juni 1967, als Israel unter anderem die Golanhöhen, den Gazastreifen und das Westjordanland samt dem Osten Jerusalems besetzte.
Ein israelischer Militärsprecher sagte nach dem gewaltsamen Vorgehen des Militärs auf den Golanhöhen, die Lage sei "seit dem frühen Nachmittag wieder unter Kontrolle". Das Militär habe "keine andere Wahl gehabt, als das Feuer zu eröffnen". Die Demonstranten wurden demnach über Lautsprecher gewarnt. Der Sprecher machte die syrische Regierung für den Zusammenstoß verantwortlich. Diese habe mit der "Provokation" von den regierungskritischen Protesten im eigenen Land ablenken wollen.
Auch bei Protesten im Westjordanland wurden an einem Kontrollpunkt an der Stadtgrenze zu Ostjerusalem Ärzten zufolge etwa 30 Palästinenser verletzt. Im Gazastreifen verhinderte die Polizei der dort regierenden radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas ein Vordringen hunderter Demonstranten zu israelischen Grenzanlagen.


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