Israels Parlament hat erstmals in einer Plenarsitzung über die Anerkennung der Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich 1915 als Völkermord debattiert. Parlamentspräsident Reuwen Riwlin sagte zur Eröffnung der Debatte, die Juden in Palästina seien sich damals der Massaker an den Armeniern bewusst gewesen. "Die Einwohner Jerusalems haben sie halb verhungert zu Tausenden eintreffen gesehen. Die Zeugenberichte über die Massaker damals waren klar und deutlich", sagte Riwlin.
Nach dem Mord an den Armeniern, der während des Ersten Weltkriegs weitgehend unbeachtet geblieben war, hätten die Nationalsozialisten den Eindruck gehabt, dass die Welt bei der "Endlösung" der Juden ebenfalls schweigen würde, sagte Riwlin. Er betonte, eine Anerkennung der Massaker als Genozid bedeute nicht, die jetzige türkische Regierung dafür verantwortlich zu machen.
Die linke Abgeordnete Sehawa Galon, die die Debatte angestoßen hatte, äußerte die Hoffnung, dass Israels Regierung die Massaker "endlich" anerkennen werde. Im Dezember hatte der Bildungsausschuss des Parlaments erstmals eine öffentliche Debatte zu den Massakern organisiert. Zuvor war über die Vorgänge nur hinter verschlossenen Türen gesprochen worden.
Die Debatte könnte die ohnehin angespannten Beziehungen zur Türkei weiter verschärfen. Ankara wehrt sich vehement dagegen, die Massaker als Völkermord zu bezeichnen, wie dies die Armenier fordern. Die Türkei erkennt zwar an, dass zwischen 1915 und 1917 in den Wirren des Ersten Weltkriegs 300.000 bis 500.000 Armenier ums Leben gekommen sind. Sie bestreitet aber, dass es sich um 1,5 Millionen handelte, wie von den Armeniern behauptet. Zudem verweist sie darauf, dass damals auch zehntausende Türken von Armeniern getötet worden seien.


