Zwei Tage nach dem schweren Erdbeben mit sechs Toten in Norditalien hat die Regierung staatliche Hilfen in Höhe von 50 Millionen Euro zugesagt und einen 60-tägigen Ausnahmezustand über die Region verhängt. Bei einem Besuch im Erdbebengebiet traf Ministerpräsident Mario Monti mit Betroffenen zusammen, von denen etwa 5000 sich aus Angst vor Nachbeben die zweite Nacht in Folge nicht in ihre Häuser trauten.
Besitzer von zerstörten Häusern würden vorübergehend von Vermögenssteuern befreit, hieß es in einer in Rom veröffentlichten Regierungserklärung. Die Hilfen in Höhe von 50 Millionen Euro sollen in den Wiederaufbau von Häusern und Fabriken fließen. Die Arbeitgeberorganisation Confindustria schätzte den Schaden für die Unternehmen in der Region auf mehrere hundert Millionen Euro.
Monti wurde bei seiner Ankunft in Sant'Agostino laut Medienberichten von Anwohnern ausgebuht, die gegen den strengen Sparkurs der Regierung protestierten. Er traf Angehörige von Opfern des Bebens vom Sonntag und sprach ihnen sein Mitgefühl aus.
Aus Angst vor Nachbeben verbrachten rund 5000 Menschen die Nacht zum Dienstag erneut in Notunterkünften oder in ihren Autos. Es habe insgesamt mehr als 30 nächtliche Nachbeben gegeben, teilte das Institut für Geophysik mit. Allerdings habe nur eins von ihnen die Stärke 3,0 erreicht. Bei den Nachbeben seien keine Gebäude mehr eingestürzt, erklärten die Sicherheitskräfte.
Feuerwehrleute untersuchen weiter die am Sonntag beschädigten Häuser. Nur ein winziger Prozentsatz der Gebäude sei unbewohnbar, sagte der örtliche Chef des Zivilschutzes, Demetrio Egidi. "Wir hoffen, dass die Menschen, wenn sie sich beruhigt haben, in ihre Häuser zurückgehen."
Ein weiteres schweres Erdbeben ereignete sich zudem im Westen Bulgariens gegen 03.00 Uhr Ortszeit, es folgten mehrere Nachbeben. Die Erdstöße waren auch in der Hauptstadt Sofia zu spüren, die nur etwa 30 Kilometer vom Epizentrum entfernt liegt. Zahlreiche Bewohner rannten in Panik auf die Straßen. Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP sah in Pernik an Gebäuden schwere Schäden wie eingerissene Mauern, eingestürzte Schornsteine und zerborstene Fensterscheiben. Durch das Beben wurde nach Angaben des Innenministeriums niemand verletzt.




