Berlin (dapd). Die Bundesrepublik gedenkt der Opfer der Zwickauer Terrorzelle. Zahlreiche Verbände, Parteien und Religionsgemeinschaften riefen am Mittwoch zu einer bundesweiten Schweigeminute für Donnerstag um 12.00 Uhr auf. In Berlin erinnern die Verfassungsorgane mit einer zentralen Gedenkveranstaltung an die Opfer. Die Ombudsfrau für die Hinterbliebenen, Barbara John, forderte im dapd-Interview derweilen, eine öffentliche Gedenkstätte einzurichten.
Zu der Gedenkveranstaltung werden mehr als 1.200 Gäste erwartet, darunter Angehörige der Opfer. Hauptrednerin wird Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sein. An den Bundesbehörden in Berlin und Bonn wurde Trauerbeflaggung angeordnet.
Gedenkstätte in Bayern denkbar
Die Hinterbliebenen wollten daran mitwirken, dass der Rassismus in Deutschland zurückgedrängt wird, sagte John. Viele wünschten sich daher einen öffentlichen Gedenkort für ihre Angehörigen. "Vorbei und vergessen, das darf auch aus meiner Sicht nicht geschehen", mahnte sie im dapd-Interview. "Wir müssen uns vor Augen halten, dass diese Mordserie nach den Morden der RAF den zweit schlimmsten Einschnitt in der Geschichte der Bundesrepublik markiert", sagte sie.
Da fünf der Nazi-Morde in Bayern verübt worden seien, habe sie bereits in München angefragt, ob die dortigen Behörden bereit wären, eine solche Gedenkstätte zu schaffen, sagte John. Ein Sprecher der Staatskanzlei in München nannte die Idee einen "interessanten Vorschlag". Die Gespräche dazu stünden jedoch noch am Anfang.
60 Sekunden innehalten
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) rief derweilen zur Teilnahme an der Schweigeminute am Donnerstag auf. Um 12.00 Uhr sollten die Bürger für 60 Sekunden "ihre Arbeit innehalten, ihre Tätigkeit unterbrechen und demonstrieren, dass Fremdenhass, Rassismus und Antisemitismus in Deutschland nicht geduldet werden", sagte DGB-Chef Michael Sommer am Mittwoch.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, rief dazu auf, für die Opfer und ihre Familien zu beten. "Rechtsextremes Denken und Handeln sind mit dem christlichen Glauben unvereinbar", sagte er. Es verletze die für Christen grundlegende Vorstellung von der Ebenbildlichkeit des Menschen mit Gott.
Auch der Zentralrat der Muslime und Politiker mehrerer Parteien brachten am Mittwoch ihre Anteilnahme für die Opfer zum Ausdruck und riefen zur Teilnahme an der Schweigeminute auf.
Ombudsfrau betreut 66 Betroffene
Die rechtsterroristische Gruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" war im November 2011 aufgeflogen. Dem Terroristentrio Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt werden zehn Morde bundesweit zur Last gelegt.
Die ehemalige Ausländerbeauftragte des Berliner Senats, John, nahm Ende Dezember 2011 im Auftrag von Justizministerium, Innenministerium und der Migrationsbeauftragten der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), ihre Arbeit als Ombudsfrau für die Opfer-Familien auf. Sie ist Ansprechpartnerin für rund 66 Betroffene.
dapd


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