Trotz voraussichtlich knapper Mehrheitsverhältnisse in Schleswig-Holstein setzt SPD-Spitzenkandidat Torsten Albig auf ein von ihm geführtes Regierungsbündnis mit Grünen und Südschleswigschem Wählerverband (SSW). Hochrechnungen zufolge hätte eine solche Drei-Parteien-Koalition eine Mehrheit von einer Stimme. Die CDU bleibt demnach aber stärkste Kraft und meldete auch den Anspruch auf die Regierungsführung an.
Im neuen Landtag verfügen CDU und SPD den Hochrechnungen von ARD und ZDF zufolge über jeweils 22 Mandate, die Grünen erhalten zehn Sitze, die FDP und Piraten jeweils sechs und der SSW drei. Damit verlieren CDU und FDP ihre bisherige Regierungsmehrheit. Möglich wären neben der sogenannten Dänen-Ampel von SPD, Grünen und SSW als Partei der dänischen Minderheit rechnerisch auch eine große Koalition oder Ampel-Bündnisse von CDU oder SPD mit Grünen und FDP.
Die CDU mit Jost de Jager an der Spitze erhielt den Hochrechnungen der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen und von Infratest dimap zufolge 30,9 Prozent der Stimmen. Sie fiel damit auf ihr schlechtestes Ergebnis seit 1950, blieb aber knapp vor der SPD, die sich auf 29,9 bis 30,3 Prozent verbesserte.
"Wenn es irgendwie geht, werden wir es machen", sagte Albig zu der von ihm gewünschten rot-grünen Koalition plus SSW. Er räumte ein, dass er sich ein besseres Ergebnis für die SPD gewünscht hätte. Entscheidend sei aber: "Schwarz-Gelb ist mal wieder abgewählt." "Es gibt eine Partei, die hat drastisch gewonnen und die wird die Regierung anführen mit Torsten Albig", sagte auch der SPD-Bundesvorsitzende Sigmar Gabriel.
De Jager sah dagegen nach den ersten Hochrechnungen den Auftrag zur Regierungsbildung bei der CDU: "Wir wollen unserer Verantwortung für stabile Verhältnisse nachkommen." Er ließ erkennen, dass die CDU mit allen Parteien, die als Regierungspartner in Frage kämen, Gespräche führen wolle. Auch der Generalsekretär der Bundes-CDU, Hermann Gröhe, hob hervor, dass die CDU stärkste Partei sei.
Die Grünen erzielten den Hochrechnungen zufolge mit 13,2 bis 13,4 Prozent ihr bislang bestes Ergebnis in Schleswig-Holstein. Die FDP mit Spitzenkandidat Wolfgang Kubicki zieht mit 8,1 bis 8,3 Prozent wieder in den Landtag ein. Die Piratenpartei schaffte mit 8,2 bis 8,3 Prozent nach Berlin und Saarland den Einzug in ihr drittes Landesparlament. Der SSW, der von der Fünf-Prozent-Hürde ausgenommen ist, kam auf 4,5 bis 4,6 Prozent. Die Linkspartei scheiterte mit 2,3 Prozent klar.
Grünen-Spitzenkandidat Robert Habeck warb wie Albig für die sogenannte Dänen-Ampel. Wenn die Chance bestehe, "sollte die ergriffen werden". Kubicki äußerte sich trotz der Verluste seiner Partei zufrieden mit dem Wahlergebnis.
Rund 2,2 Millionen Wahlberechtigte waren aufgerufen, über die Zusammensetzung des neuen Kieler Landesparlaments zu entscheiden. Die Wahlbeteiligung betrug etwa 60 Prozent. In Kiel regierte seit 2009 eine schwarz-gelbe Koalition. Die Landtagswahl fand vorzeitig statt, weil das Landesverfassungsgericht 2010 Mängel am bisherigen Wahlrecht festgestellt hatte.
Bei der Wahl 2009 hatte die CDU 31,5 Prozent der Stimmen erhalten, auf die SPD entfielen damals 25,4 Prozent. Die Grünen erreichten 12,4 Prozent, die FDP 14,9 Prozent. Die Linkspartei kam auf 6,0 Prozent der Stimmen, der SSW auf 4,3 Prozent und die Piratenpartei auf 1,8 Prozent.









