Die Auskunftei Schufa hat mit einem Forschungsprojekt zu Datenabfragen im Internet für einen Sturm der Entrüstung gesorgt. Datenschützer und Politiker äußerten sich besorgt über die Möglichkeit, personenbezogene Daten aus dem Netz mit Bewertungen der Kreditwürdigkeit zu verknüpfen. Die Schufa betonte, es handle sich um Grundlagenforschung; sie wolle damit auch die gesellschaftliche Debatte anregen.
Die Schufa, größte Auskunftei des Landes, beauftragte das renommierte Hasso-Plattner-Institut (HIP) an der Potsdamer Universität zu untersuchen, welche öffentlichen und quasi-öffentlichen Daten im Netz zu finden sind. Jedermann könne jederzeit weltweit auf Daten zugreifen, erklärte die Schufa. Sie sieht darin eine "Herausforderung" ihres Geschäftsmodells: Die Auskunftei bekommt von Banken, Versicherungen und Händlern Informationen über die Zahlungsverpflichtungen der Kunden und verkauft ihren Geschäftspartnern wiederum daraus errechnete Daten über die Kreditwürdigkeit der Verbraucher.
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"NDR Info" und "Welt" berichteten aber unter Berufung auf ein internes Memorandum namens "Projektideen", die Schufa wolle "Möglichkeiten finden, aus dem Web generierte Informationen" mit Daten aus der Schufa-Datenbank zu verknüpfen. Übergeordnetes Interesse sei es, statistische Zusammenhänge zwischen einzelnen Persönlichkeitsmerkmalen und der Zahlungsfähigkeit von Verbrauchern zu finden und so noch genauere Aussagen über den einzelnen Konsumenten zu treffen.
Die Forscher sollen demnach prüfen, ob neben offen zugänglichen Quellen auch nicht öffentliche Datenbanken und soziale Netzwerke genutzt werden könnten.
Der Datenschutz-Beauftragte des Bundes, Peter Schaar, erklärte, das Projekt verdeutliche "einmal mehr", wie Nutzerdaten ohne Wissen der Betroffenen ausgeforscht und zu Geld gemacht werden könnten. Es zeige, wie Auskunfteien ihre ohnehin schon großen Datenbestände um ein Zigfaches vergrößern könnten.
Der Leiter des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein, Thilo Weichert, sagte "NDR Info", es sei problematisch, "dass Informationen, die beiläufig ins Netz gestellt worden sind, systematisiert werden sollen". Sollte die Schufa die Daten einsetzen, wäre dies eine "völlig neue Dimension".
Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) sagte dem "Münchner Merkur", es könne nicht sein, dass soziale Netzwerke systematisch nach sensiblen Daten abgegrast würden, die dann in die Bonitätsbewertungen von Kunden einflössen. "Hier würde das Recht auf informationelle Selbstbestimmung massiv verletzt." FDP-Bundestag-Fraktionschef Rainer Brüderle (FDP) forderte die Schufa auf, von ihren Plänen "Abstand zu nehmen". Die Pläne gingen zu weit, sagte er "Spiegel Online". Grünen-Fraktionschefin Renate Künast erklärte, die Regierung müsse mit einer Datenschutz-Gesetzgebung eine "rote Linie" ziehen.
Das HPI erklärte, es gebe lediglich eine lange Ideenliste, aber keinen Projektplan. Auf konkrete Forschungsvorhaben hätten sich das Institut und die Schufa noch nicht verständigt, sagte ein Sprecher. Es gehe nicht um das Ausspionieren von Geheimdaten, das HPI untersuche lediglich die automatisierte Suche nach Informationen an der Oberfläche und in der Tiefe des Web. Auch dort seien die meisten Daten recherchierbar - und mittlerweile "quasi-öffentlich", wie HPI-Professor Felix Naumann sagte.
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