Die Opposition drängt Bundeskanzlerin Angela Merkel dazu, in der Diskussion um Bundespräsident Christian Wulff Farbe zu bekennen. Merkel müsse erklären, "ob Herr Wulff ihren Ansprüchen an sein Amt noch gerecht wird", sagte SPD-Fraktionsvize Hubertus Heil der "Welt". Auch Grünen-Fraktionsvize Fritz Kuhn forderte, Merkel müsse "aus der Deckung herauskommen". Die baden-württembergische Landesregierung forderte Aufklärung um einen Kredit von der BW-Bank an Wulff.
"Frau Merkel und die Union ducken sich weg", sagte Heil. Dabei habe die Kanzlerin Wulff doch einst vorgeschlagen. SPD-Parlamentsgeschäftsführer Thomas Oppermann erklärte: "Die politische Schonfrist geht zu Ende." Kuhn sagte im Deutschlandfunk, er komme in der Summe der Vorgänge zu der Überzeugung, dass Wulff "den Anforderungen des Amtes nicht gewachsen ist".
SPD-Chef Sigmar Gabriel äußerte sich via Facebook zu Wulff. "Es gilt nach wie vor: Niemand kann sich den zweiten Rücktritt eines Bundespräsidenten innerhalb von zwei Jahren wünschen", schrieb Gabriel auf seiner Seite. "Allerdings kann sich auch niemand einen Bundespräsidenten wünschen, der den Eindruck erweckt, er sei seinem Amt weder politisch noch stilistisch gewachsen."
CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe nahm Wulff in Schutz. "Wulff hat sich für seinen Anruf bei der 'Bild'-Zeitung entschuldigt", sagte Gröhe der "Süddeutschen Zeitung". "Diese Entschuldigung wurde angenommen. Das sollte nun auch von allen respektiert werden."
Wulff hatte offenbar bereits vor einem halben Jahr versucht, einen ihm unliebsamen Zeitungsartikel zu verhindern. Der Chefredakteur der "Welt"-Gruppe, Jan-Eric Peters, berichtet auf "Spiegel Online", wie ein Reporter der "Welt am Sonntag" 2011 ins Präsidialamt gebeten worden sei, um einen Bericht über Wulffs Familie und das zerrüttete Verhältnis zu einer seiner Schwestern zu stoppen.
Die Berliner Staatsanwaltschaft prüft, ob wegen des Droh-Anrufs von Wulff auf der Mailbox des Bild-Chefredakteurs Kai Diekmann ein Anfangsverdacht der Nötigung besteht. Es sei eine Anzeige wegen Nötigung eingegangen, sagte Oberstaatsanwalt Martin Steltner der Nachrichtenagentur AFP. Nunmehr werde ein Anfangsverdacht geprüft. Am Montag war bekannt geworden, dass Wulff mit einem Anruf bei Diekmann die Berichterstattung über den Kredit zu verhindern versucht hatte.
Baden-Württembergs Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) forderte eine umfassende Aufklärung über die Vergabe eines Kredits an Wulff durch die BW-Bank. Die Debatte darüber erfülle ihn mit Sorge, erklärte Schmid. Es müsse "umfassend aufgeklärt werden." Staatskanzlei-Chef Klaus-Peter Murawski (Grüne) bat nach Angaben des Stuttgarter Staatsministeriums bereits vergangene Woche den Prüfungsausschuss der Bank um eine Klärung des Sachverhalts.
Wulff war Ende 2011 in die Kritik geraten, weil er sich als Ministerpräsident eine halbe Million Euro von der Frau des befreundeten Unternehmers Egon Geerkens geliehen hatte. Später löste er den Kredit durch ein besonders zinsgünstiges Darlehen der Stuttgarter BW-Bank ab, das wiederum in einen normalen Kredit umgewandelt wurde, der ab Mitte Januar läuft.


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