WAS IHRE FREUNDE LESEN

    Wahlergebnis in Athen verunsichert die Finanzmärkte

    Hollande-Sieg hat weniger Auswirkungen auf Kurse

    Mit Verunsicherung haben die Finanzmärkte auf die Absage der griechischen und französischen Wähler an rigide Sparprogramme im Kampf gegen die Euro-Krise reagiert. In Athen stürzten die Kurse um bis zu 7,6 Prozent ab, weil die bisherigen Regierungsparteien ihre absolute Mehrheit verloren. An den Börsen in Frankfurt am Main und Paris erholten sich die Aktienkurse, die zunächst deutlich im Minus gestartet waren.

    Verschreckt reagierte die Börse in Athen: Dort stürzten die Kurse nach dem Debakel der Regierungskoalition aus konservativer Nea Dimokratia und sozialdemokratischer Pasok ab. Beide Parteien hatten in den vergangenen Monaten in einer Regierung der nationalen Einheit hart um die Sparbeschlüsse für das hochverschuldete Land gerungen.

    Die als zweitstärkste Kraft aus der Wahl hervorgegangene Syriza-Partei schlug die Bildung einer linksgerichteten Regierung vor, die das mit den internationalen Gläubigern ausgehandelte Sparpaket aufkündigen soll.

    "Wenn die Märkte negativ reagieren, liegt das eindeutig an Griechenland", erklärte der Analyst Philippe Waechter von Natixis Asset Management. Der Wahlsieg des französischen Sozialisten François Hollande sei zwar "verteufelt" worden, nun zeige sich, "dass er heute wenig Auswirkungen hat". Hollande hatte im Wahlkampf deutlich gemacht, dass er eine einseitig auf Sparmaßnahmen ausgelegte Politik ablehnt. Er will den EU-Fiskalpakt für mehr Haushaltsdisziplin um eine Wachstumskomponente ergänzen.

    Während einige Beobachter erklärten, die Finanzmärkte hätten den in Umfragen vorhergesagten Wahlsieg Hollandes bereits mit eingerechnet, warnten andere vor einer Verschärfung der Euro-Schuldenkrise. Der Analyst Kintai Cheung von Crédit Agricole sagte, die Wahlergebnisse in Griechenland und Frankreich könnten "eine Welle von Neuverhandlungen der Hilfspakete" auslösen.

    Die US-Ratingagentur Standard & Poor's, die Frankreich im Januar die Bestnote für die Kreditwürdigkeit aberkannt hatte, erklärte, der Wahlsieg Hollandes habe keine "unmittelbaren Auswirkungen" auf die Bonität des Landes. Zunächst solle das Programm des neuen Präsidenten und seiner Regierung sowie das Ergebnis der Parlamentswahl im Juni abgewartet werden.

    Die asiatischen Börsen hatten am Morgen zunächst den Trend vorgegeben, die Börse in Tokio schloss mit einem Minus von 2,8 Prozent, die Börse in Hongkong mit Minus 2,6 Prozent.

    Der Deutsche Aktienindex (Dax) verlor in den ersten Handelsminuten rund 2,2 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom Freitag, erholte sich aber und stand bei Börsenschluss bei 0,12 Prozent. Auch die Börse in Paris erholte sich und schloss mit 1,65 Prozent, Mailand mit 2,56 Prozent und Madrid mit 2,72 Prozent im Schluss. Die Londoner Börse war wegen eines Feiertags geschlossen.

    Quizaction