Mainz (dapd-rps). Nein, er hat ihn nicht gesagt, den Satz auf den alle gewartet hatten. Kurt Beck, seit fast 18 Jahren Ministerpräsident in Rheinland-Pfalz, hält sich in der Frage eines Nachfolgers im Amt weiter alle Optionen offen. "Ich werde genau so lange regieren, wie meine Gesundheit das erlaubt, mit dem Ziel, diese Legislaturperiode zu machen", sagte der SPD-Politiker am Donnerstag in einem Interview des Südwestrundfunks (SWR) und der "Allgemeinen Zeitung" in Mainz.
Damit war die Sensation abgesagt, die Nachfolgedebatte kann weiter schwelen. Und Beck machte unmissverständlich klar, dass er weiter Herr des Verfahrens ist. Die Debatte um die Frage, wann der dienstälteste Ministerpräsident Deutschlands den Staffelstab an einen Nachfolger weiter gibt, bewegt seit Monaten die rheinland-pfälzische Landespolitik.
Erst am Mittwoch hatte der Berliner "Tagesspiegel" berichtet, Beck wolle noch im Mai seinen Stuhl räumen. Das sei "blanker Blödsinn", unterstrich Beck nun in dem Fernsehinterview: "Für die Gerüchte, die in die Welt gesetzt werden, kann ich nichts." Auch gebe es "keinen festgelegten Zeitplan" für die Übergabe seines Amtes, dafür gebe es "auch keinen Grund."
Es wäre aber "vermessen", wenn er nicht frühzeitig darüber nachdenken würde, "welche Frau und welchen Mann positioniert man wo", fügte er hinzu. Die Wortwahl "Frau oder Mann" war kein Zufall, gleich drei Spitzenleute der rheinland-pfälzischen SPD werden als mögliche Thronfolger genannt. Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD) bekam in einer aktuellen Umfrage des SWR-Politrends von Anfang Mai gerade mit 22 Prozent die höchste Zustimmung, gefolgt von 20 Prozent für SPD-Fraktionschef Hendrik Hering.
Nur 15 Prozent der Befragten sprachen sich für Innenminister Roger Lewentz (SPD) aus, der doch als erfolgreichster Nachfolgekandidat gilt. "Solche Umfragen sind immer Momentaufnahmen", sagte Beck prompt dazu. Als er 1994 Ministerpräsident wurde, habe ihm "kein Mensch" den Job zugetraut, "geschweige denn 18 Jahre."
Ansonsten präsentierte der 63 Jahre alte Regierungschef das Bild eine entspannten Ministerpräsidenten, der mit sich und seiner rot-grünen Regierungsriege rundum zufrieden ist. Die Arbeit mit den Grünen sei "auch kuschelig" und außerdem gut. "Wir können uns über inhaltliche Sachen richtig streiten, aber wir haben keinen Streit miteinander", betonte Beck. Beide Seiten seien sich einig, "dass diese Koalition über die Legislaturperiode hinaus fortgesetzt werden soll", betonte er.
Bei der Dauerbaustelle Nürburgring wurde Beck dann auch selbstkritisch: Auf Grundlage des heutigen Wissens würde man den Freizeitpark für 100.000 Leute kleiner und damit auch billiger machen. "Zweimal mit dem Kopf an die gleiche Wand würde man natürlich nicht rennen", sagte Beck, und ließ sich dann von den beiden Chefredakteuren Fritz Frey (SWR) und Friedrich Roeingh (AZ) noch einen überraschenden Satz entlocken: Wenn die Achterbahn "Ring Racer" nicht laufe, "wird man sie irgendwann verschrotten".
Und so arbeitete sich der Landesvater geduldig durch die Themen, streute ein, dass er privat "einen kleinen Renault" fahre, wenn es die Sicherheitslage zulasse und gab den Piraten mit, dass er sich über diejenigen ärgere, "die sich da gebärden als wäre Nichtwissen und sich Nicht-Damit-Befassen schon ein Wert an sich." Ansonsten versicherte Beck, "das Wohl des Landes und der eigenen Partei wird immer über mein eigenes gestellt." In jedem Fall werde "in den nächsten Jahren klar sein, auf wen's zuläuft".
dapd


