An der größten Homosexuellen-Parade Europas haben sich in Rom schon zu Beginn mehrere hunderttausende Menschen beteiligt, die Veranstalter rechnen bis zum Abend sogar mit insgesamt einer Million Teilnehmer. Mit der EuroPride sollte der Druck auf die italienische Regierung verstärkt werden, die Rechte von Schwulen und Lesben anzuerkennen. US-Sängerin Lady Gaga will am Abend als Stargast im Circus Maximus auftreten.
Für die Veranstalter der EuroPride ist Italien eines der rückständigsten Länder, was die Rechte von Homosexuellen angeht. Ein Gesetzentwurf gegen homophobe Gewalt ist nie zustande gekommen, eingetragene Lebenspartnerschaften gibt es nicht.
Paolo Patane von der Aktivistengruppe Arcigay hoffte sogar, dass die Parade helfen werde, die - nach den jüngsten Kommunal- und Regionalwahlen geschwächte - rechtsgerichtete Regierung von Silvio Berlusconi zu "verjagen". "Das ist eine Regierung, in der der Ministerpräsident 'was mit minderjährigen Mädchen hat, aber zugleich sagt, dass er niemals Gesetze zulassen will, die dem vom Vatikan propagierten Familienbild widersprechen", kritisierte Patane.
Zwei kleinere Oppositionsparteien - Italien der Werte sowie Linke, Ökologie und Freiheit - und die Vorsitzende der mächtigen Gewerkschaft CGIL, Susanna Camusso, sagten ihre Beteiligung an der Parade zu. Diese fand vor Volksabstimmungen am Sonntag und Montag über die Aufhebung von Gesetzen zur Atomkraft, zur umstrittenen Immunität von Berlusconi und zur Privatisierung der Wasserversorgung statt.
Die unter starken Sicherheitsvorkehrungen stehende Parade umfasst 40 Wagen. Auf einem Wagen wollen homosexuelle Eltern mit ihren Kindern mitfahren, auf einem anderen Drag-Queens in Lady-Gaga-Kostümen. Die US-Sängerin selbst will am Abend im Circus Maximus nahe des Kolosseums ein Konzert geben - und eine kurze Ansprache halten. Katholische Politiker hatten die 25-jährige Popdiva, die als Vorkämpferin für die Rechte Homosexueller gilt, vor provokanten Äußerungen über die Kirche oder den Papst gewarnt. "Wenn Lady Gaga den Heiligen Vater oder die katholische Kirche angreift, werden sich Millionen von gemäßigten Schwulen nicht in diesen Kommentaren wiederfinden", sagte Vize-Parlamentspräsident Rocco Buttiglione.
Für den Transsexuellen und ehemaligen Abgeordneten Vladimir Luxuria, der 1994 das erste GayPride-Festival in Italien auf die Beine stellte, ist die diesjährige Parade mehr ein Protest als eine Feier. "Der Fisch stinkt vom Kopf und wir haben einen ausgesprochenen Schwulen-Feind als Ministerpräsidenten", sagte er der Nachrichtenagentur AFP.


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