Emden (dapd). Nach dem Aufruf zur Lynchjustiz im Mordfall Lena muss ein 18-Jähriger zwei Wochen in Dauerarrest. Zudem erhielt er vom Amtsgericht Emden am Mittwoch eine Verwarnung nach Jugendstrafrecht. Vor dem Richter entschuldigte der junge Mann sich, für das, was er getan hat. Es tue ihm Leid, sagte er am Mittwoch zum Prozessauftakt.
Dem Mann wurde vorgeworfen, am 27. März im sozialen Netzwerk Facebook mit folgenden Worten zur Erstürmung des Polizeikommissariats in Emden und zum Lynchen eines Verdächtigen aufgerufen zu haben: "Aufstand. Alle zu den Bullen. Da stürmen wir. Lasst uns das Schwein tot hauen."
Bereits kurz nach dem Aufruf gab der junge Mann in einer Vernehmung bei der Polizei an, sehr betroffen über das Ausmaß und die Folgen seines Tuns zu sein. Zum Zeitpunkt des Aufrufs auf Facebook befand sich ein 17-Jähriger in Polizeigewahrsam, dessen Unschuld später bewiesen wurde. Vor dem Polizeikommissariat versammelte sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft eine aufgebrachte Menge von etwa 50 Personen, die die Herausgabe des Verdächtigen verlangte. Zu Übergriffen kam es aber nicht.
Der Verurteilte handelte offenbar aus Geltungsbedürfnis. "Man möchte groß sein, man möchte bekannt sein", sagte er vor Gericht zu der Tat. Danach hatte er bereits Kontakt zu dem zu Unrecht Beschuldigten aufgenommen und sich bei ihm entschuldigt. Er habe den Betroffenen zum Essen eingeladen und ihm einen Gutschein geschickt.
Wie der Vorsitzende Richter Günther Bergholz sagte, nahm der Geschädigte im Rahmen der Mediation die Entschuldigung an. Er habe kein Interesse an einer strafrechtlichen Verfolgung bekundet. Die beiden Jugendlichen besuchten die gleiche Berufsschule, kannten sich nach Angaben des Angeklagten aber nicht.
Die elfjährige Lena war am 24. März tot in einem Emder Parkhaus gefunden worden. Sie wurde Opfer einer Sexualstraftat. Nach der Festnahme des Unschuldigen ermittelte die Polizei einen 18-Jährigen als mutmaßlichen Täter. Er hat die Tötung gestanden.
dapd


