Zypern hat offiziell Finanzhilfen der Eurozone beantragt. Die Regierung in Nikosia stellte einen entsprechenden Antrag in Brüssel, wie aus einer Erklärung der EU-Vertretung Zyperns hervorgeht. Die zyprischen Banken sind vor allem wegen der beispiellosen Krise der griechischen Finanzbranche in Bedrängnis. Zypern ist nach Griechenland, Portugal, Irland und Spanien damit das fünfte Land, das Hilfe von den Euro-Partnern in Anspruch nimmt. Spanien beantragte heute ebenfalls offiziell Finanzhilfen für seine Banken. Beide Länder nannten keine Summe für die Unterstützung.
Wegen des maroden Bankensektors hatte zuvor als letzte der drei großen Ratingagenturen Fitch Zyperns Kreditwürdigkeit auf Ramschniveau herabgestuft. Die Note wurde von BBB- auf BB+ herabgesenkt. Der Ausblick blieb negativ. Die Ratingagentur Standard & Poor's hatte die Bonität Zyperns bereits im Januar herabgestuft, Moody's am 13. Juni.
Der spanische Wirtschaftsstaatssekretär Fernando Jiménez Latorre sagte, beim nächsten Treffen der Eurogruppe am 9. Juli solle "eine Größenordnung" für den Finanzbedarf angegeben werden. Spaniens Zentralbank hatte vor wenigen Tagen einen Bedarf von bis zu 62 Milliarden Euro genannt. Die Euroländer hatten Madrid zuvor eine Unterstützung von bis zu hundert Milliarden Euro in Aussicht gestellt.
Nach dem Platzen der spanischen Immobilienblase im Jahr 2008 waren zahlreiche Kredite nicht mehr an die Banken zurückgezahlt worden, woraufhin Madrid die Branche mit Milliardenbeträgen stützte. Der spanische Staat hat jedoch auch selbst mit Haushaltsproblemen zu kämpfen und verordnete sich bereits drastische Sparmaßnahmen.
Juncker bestätigte den Antrag Spaniens und kündigte in einer Mitteilung ein Mandat für die Europäische Kommission, die Europäische Zentralbank und die Europäische Bankenaufsicht an, um die im Gegenzug verlangten Auflagen und Restrukturierungspläne für den spanischen Finanzsektor auszuhandeln. Der Internationale Währungsfonds soll demnach technische Unterstützung leisten.
EU-Währungskommissar Olli Rehn erklärte, das Hilfsprogramm solle innerhalb "von Wochen" ausgearbeitet werden. Experten sollen dazu laut einem Sprecher bald nach Madrid reisen. Der spanische Bankensektor müsse reformiert werden, um Vertrauen zurückzugewinnen, erklärte Rehn. Spaniens Regierungschef Mariano Rajoy forderte einen "klaren Zeitplan" mit dem Ziel, "Zweifel am Euro zu zerstreuen".
Derweil gab die zweitgrößte spanische Bank BBVA bekannt, keine Finanzhilfen zu benötigen. Dies gelte auch für den Branchenführer Santander und das drittgrößte Institut CaixaBank, sagte BBVA-Chef Ángel Cano. Die Renditen für spanische Staatsanleihen verteuerten sich jedoch wieder. Derzeit müsste das Land knapp 6,5 Prozent Zinsen zahlen.
Nach Angaben aus europäischen Diplomatenkreisen könnte auch Zypern sehr bald die Eurozone um Finanzhilfen für sein angeschlagenes Bankensystem bitten. Die formale Anfrage sei noch nicht in Brüssel eingetroffen, werde aber "binnen Stunden" erwartet, hieß es. Schon vor Tagen hatte ein EU-Diplomat angekündigt, Zypern werde "wahrscheinlich in der kommenden Woche" um Finanzhilfen bitten.




