Nach einem spektakulären Kunstraub fahndete die britische Polizei monatelang nach den Tätern. Diese stahlen chinesische Artefakte im Gesamtwert von etwa 15 Millionen Pfund (rund 19 Millionen Euro) aus einem Museum in Cambridge. Nun haben sich vier Tatverdächtige schuldig bekannt – und einer von ihnen machte selbst die erfahrensten Polizisten sprachlos. Denn er ist erst 15 Jahre jung. Seine Jugend schützt den Buben jedoch nicht vor drastischen Konsequenzen.
Am 13. April 2012 ereignete sich im Fitzwilliam Museum der University of Cambridge ein Kunstraub, wie man ihn sonst nur aus Hollywood-Filmen kennt. Gemeinsam mit drei Männern, alle in ihren Zwanzigern, hat ein gerade mal 15-jähriger Brite innerhalb weniger Minuten unschätzbar wertvolle chinesische Artefakte entwendet. Das berichtet die "BBC." Der Londoner Marvin S. und seine Komplizen stahlen 18 wertvolle Objekte aus der dauerhaften Sammlung des Museums – darunter Jadeskulpturen in Form eines Büffels, eines Pferdes und eines Elefanten. Alle Kunstwerke stammen aus der Zeit der Ming- und der Qing-Dynastie. Den Raub haben die Tatverdächtigen mittlerweile gestanden.
Der Beutezug war ganz offensichtlich gut geplant: Die Aufnahmen einer Überwachungskamera zeigen, wie der Junge und seine Komplizen einen weißen VW-Bus in der Nähe des Museums parkten. Anschließend brachen sie durch einen Hintereingang in das Museum ein. Zu den Antiquitäten gelangten sie laut BBC, indem sie mit einer Schneidemaschine ein Loch in eine Rückwand frästen. Danach schlugen sie zwei Glasschaukästen ein und räumten sie aus. Die Polizei schätzt den Gesamtwert der gestohlenen Kunstgegenstände auf bis zu 15 Millionen Pfund (etwa 19 Millionen Euro).
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Nun haben sich Marvin S. und seine drei Komplizen vor einem britischen Gericht für schuldig bekannt – das Urteil soll Ende September erfolgen. „Die heutigen Schuldeingeständnisse sind die Konsequenz einer großflächig angelegten polizeilichen Untersuchung und viel harter Arbeit, um sicherzustellen, dass die in den Raub verwickelten Personen gefasst und verurteilt werden“, so der zuständige Hauptkommissar Jim McCrorie gegenüber der Tageszeitung „Cambridge News“. Doch damit ist der Fall noch nicht abgeschlossen: „Leider konnten die Artefakte, die von hohem kulturellem Wert sind, noch nicht ausfindig gemacht werden“, so McCrorie weiter. Man bemühe sich aber darum, den Fall so schnell wie möglich aufzuklären.
Nach Ansicht einiger Kunst-Experten ist es jedoch möglich, dass die vermissten Artefakte niemals wieder auftauchen werden. Guy Schooling, Leiter des Auktionshauses Sworders Fine Art Auctioneers in der englischen Grafschaft Essex glaubt, dass sich die Objekte mittlerweile in China befinden. Ihm zufolge wurden sie vermutlich von Chinesen erworben, um sich das Erbe ihres Landes zurückzuholen. „Der Endkundenmarkt für diese Objekte ist Festlandchina“, so Schooling gegenüber der Zeitung. „Ich glaube, für die Chinesen ist es eine Frage der Ehre, sich ihr Erbe aus dem Westen zurückzuholen – ein Großteil davon stammt aus der Zeit, in der wir China während diverser militärischer Auseinandersetzungen besetzt haben.“ Der Jadestein gilt in China als Glücksbringer.
Wo auch immer das Diebesgut nun hingelangt sein mag - für den 15-jährigen Jungen sieht es alles andere als gut aus. Großbritannien geht mit straffälligen Kindern und Jugendlichen im Vergleich zum übrigen Europa ziemlich hart ins Gericht. Während in Deutschland Kinder erst ab dem 14. Lebensjahr als strafmündig gelten, können Kinder in England bereits ab zehn Jahren, in Schottland sogar schon ab acht vor Gericht gestellt werden. Schon Mitte der 1990er Jahre ging der Trend in Richtung verschärftes Kinder- und Jugendstrafrecht im Vereinigten Königreich. Zahlreiche Einzelgesetze, so genannte Acts, ermöglichen es, Jugendliche möglichst früh wie Erwachsene zu verurteilen. Als abschreckender Teil dieser Maßnahmen ist auch die Untersuchungshaft in normalen Gefängnissen statt in Jugendstrafanstalten üblich.
Millionen-Kunstraub: 15-Jähriger bekennt sich schuldig
Yahoo! Nachrichten – Do., 2. Aug 2012Werden Sie ein Fan von Yahoo! Nachrichten auf Facebook
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