Nach acht Monaten Prozessdauer hat der wegen Millionenbetrugs im Zusammenhang mit einem Formel-1-Geschäft angeklagte ehemalige BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky überraschend ein Geständnis abgelegt. "Es stimmt im Wesentlichen", sagte Gribkowsky vor dem Landgericht München I zu den Vorwürfen. Zugleich belastete er Formel-1-Chef Bernie Ecclestone.
Gribkowsky war Risikovorstand der BayernLB. Er muss sich wegen Bestechlichkeit, Veruntreuung von Bankvermögen und Steuerhinterziehung vor Gericht verantworten, weil er beim Verkauf der von der Bank gehaltenen Formel-1-Anteile vom Chef der Rennserie, Bernie Ecclestone, 44 Millionen Dollar kassiert haben soll. Für die Vergehen drohen Gribkowsky bis zu fünfzehn Jahre Haft. Richter Peter Noll sicherte ihm aber im Gegenzug für ein Geständnis eine Strafe zwischen sieben Jahren und zehn Monaten und neun Jahren zu.
Der Prozess gegen Gribkowsky läuft bereits seit Oktober. An den bisherigen 45 Verhandlungstagen hatte der in Untersuchungshaft sitzende Ex-Manager geschwiegen. Kurz vor Beginn der Plädoyers suchten seine Verteidiger aber mit Gericht und Staatsanwaltschaft eine Absprache über das Strafmaß. Laut Richter Noll kam es zu keiner Verständigung, weil die Strafvorstellungen der Verfahrensbeteiligten "sehr weit" auseinander gelegen hätten. Nach der gescheiterten Verständigung bot der Richter dann für das Geständnis die Begrenzung der Strafe auf höchstens neun Jahre an.
Die BayernLB hatte nach der Pleite des Medienmoguls Leo Kirch dessen Formel-1-Anteile erhalten. Im Auftrag der Bank verkaufte Gribkowsky diese später für 839 Millionen US-Dollar an einen Investor weiter und erhielt dafür von Ecclestone jene 44 Millionen US-Dollar (heute knapp 35 Millionen Euro), die er unversteuert in eine Stiftung in Österreich fließen ließ.
Wegen der Zahlung an Gribkowsky wird in München auch gegen Ecclestone ermittelt, diese Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen. In seiner Aussage widersprach Gribkowsky Ecclestones' Darstellung, diesen durch Drohungen zu der Provisionszahlung genötigt zu haben. Vielmehr habe Ecclestone damit gedroht, durch Verlagerung von Formel-1-Anteilen auf andere Gesellschaften dafür zu sorgen, dass die Anteile der BayernLB quasi wertlos werden, sagte Gribkowsky.
Gribkowsky beschrieb Ecclestone als eine Art "Vermieter" der Formel 1. "Die Formel 1 ist eine Summe von Verträgen, zwei Aktenschränke voll, mit unterschiedlichen Beteiligten. Sie kommen an gar nichts ran, wenn er nicht will." Ecclestone habe zu ihm gesagt, wenn er ihm weiter ins Handwerk pfusche, werde er mit der Formel 1 einen anderen Weg gehen.
Nur in einem wesentlichen Punkt widersprach Gribkowsky der Anklage der Staatsanwaltschaft. Diese geht davon aus, dass er die Stiftung in Österreich nur zu dem Zweck gegründet hat, sich selbst zu versorgen - und der Stiftungszweck der Hilfe für an Krebs erkrankte Kinder vorgeschoben war. Dies sei "Unsinn". An dieser Stelle zeigte sich Gribkowsky zu Tränen gerührt und verwies auf mehrere Krebsfälle in seiner Familie.
Auf die Frage von Richter Noll, warum er das Millionenvermögen nicht versteuert habe, sagte Gribkowsky, er habe da eine "völlig verquere Sichtweise" gehabt und geglaubt, das Geld nicht in Deutschland versteuern zu müssen. Die Steuerhinterziehung dürfte bei einer Verurteilung einen wesentlichen Anteil am Strafmaß haben. Die Plädoyers und womöglich das Urteil sollen voraussichtlich kommende Woche Mittwoch folgen.


