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    Mo Yan wirbt für Freilassung des Dissidenten Liu Xiaobo

    Peking (dapd). Der diesjährige Literaturnobelpreisträger Mo Yan hat mit einem Einsatz für den inhaftierten Dissidenten Liu Xiaobo am Freitag der Propaganda der chinesischen Regierung einen Kratzer verpasst. Er hoffe auf eine Freilassung des vor zwei Jahren in Abwesenheit selbst mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichneten Landsmanns, sagte der Autor. Nach Bekanntgabe der Entscheidung des Nobelkomitees für Mo am Donnerstag hatte auch die Führung in Peking ihren Stolz über die Ehrung bekundet. Der Regimekritiker Liu war 2009 wegen politischer Äußerungen zu elf Jahren Haft verurteilt worden.

    "Ich hoffe jetzt, dass er seine Freiheit sehr bald zurück erhalten kann", sagte Mo, der im Dezember als erster Chinese mit dem Literaturnobelpreis geehrt wird. Wenn Liu früher freigelassen werde, könne er sich wieder seinen politischen und gesellschaftlichen Studien zuwenden. Der selbst der Kommunistischen Partei angehörende Schriftsteller führte den Gedanken nicht weiter aus. Er schien aber argumentieren zu wollen, dass eine Freilassung Lius diesen zu eine Annäherung an die Parteilinie bewegen könnte.

    Menschenrechtsgruppen kritisieren, dass die Mitgliedschaft Mos in der KP sowie seine Position als stellvertretender Präsident des offiziellen Schriftstellerverbands der künstlerischen und geistigen Freiheit entgegenständen. Der Leiter der chinesischen Behörde für Propaganda, Li Changchun, hatte dem Autor offiziell zu seiner jüngsten Ehrung gratuliert. Die Würdigung mit dem Nobelpreis spiegele den Erfolg und den Fortschritt der chinesischen Literatur wider, zitierte ihn die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Auch die chinesischen Zeitungen waren am Freitag mit Mos Triumph gepflastert.

    Als der Dissident Liu vor zwei Jahren den Friedensnobelpreis erhielt, waren die Reaktionen der chinesischen Regierung konträr. Peking nannte die Entscheidung eine Schändung der Nobel-Tradition und fror die Beziehungen zu Norwegen ein. Am Freitag veröffentlichte die Organisation Reporter Ohne Grenzen ein Video, auf dem die Silhouette einer einsamen Frau zu sehen ist, die als Lius Ehefrau Xia identifiziert wird. Sie raucht bei Nacht am Fenster der Wohnung, in der sie faktisch seit Oktober 2010 unter Hausarrest steht. "Eine Zigarette am Fenster zu rauchen ist eine der letzten Freiheiten, die ihr geblieben sind", erklärte die Organisation.

    Ai Weiwei nennt Auszeichnung beschämend

    Bevor sich der Autor Mo zu dem Inhaftierten Liu äußerte, hatte der weltbekannte Künstler und Regimekritiker Ai Weiwei ihm vorgeworfen, mit einem System zusammenzuarbeiten, das sein eigenes Volk kontinuierlich vergifte. Die Entscheidung zugunsten Mos kritisierte er zugleich harsch. "Das ist eine Schande für das Schwedische Nobelpreiskomitee", sagte Ai der Nachrichtenagentur AP. "Sie machen sich über diejenigen lustig, die es wagen, ihre Stimmen zu erheben und ihre Meinung zu sagen." Zugleich ignorierten sie die Opfer, die einige gebracht hätten, um dieses Recht zu gewinnen, sagte Ai weiter. Das sei beschämend.

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