Der italienische Ministerpräsident Mario Monti will sich als nächstes einer Reform des Arbeitsmarktes zuwenden. Die Arbeitsmarktreform solle "größtmögliche Flexibilität" erlauben und insbesondere jungen Leuten und Frauen zu Gute kommen, sagte der parteilose Regierungschef der "Süddeutschen Zeitung" (Wochenendausgabe) in einem Interview zur Bilanz seiner beinahe dreimonatigen Regierungszeit. Bei der bereits beschlossenen Rentenreform hätten die Gewerkschaften "große Reife" bewiesen. "Ich erwarte nun bei den Verhandlungen über die Arbeitsreformen das gleiche Maß an Reife."
Seine Regierung von ausschließlich parteilosen Experten genieße die "Unterstützung des Parlaments" und "Akzeptanz durch die Öffentlichkeit". Die Öffentlichkeit habe "wahrgenommen, dass wir tatsächlich vor dem Abgrund standen", sagte Monti, ohne seinen Amtsvorgänger Silvio Berlusconi beim Namen zu nennen. Seine Regierung entscheide "in hohem Tempo", um einen Kurswechsel hinzubekommen. Dabei würden der Bevölkerung "unzweifelhaft harte Opfer" abverlangt - aber "im nationalen Interesse" und nicht in einer Konfrontationsstellung zu Europa.
Die Verantwortung für die Erschütterung des Vertrauens in die Eurozone wies Monti zum Teil früheren Regierungen in Deutschland und Frankreich zu. Die beiden größten Volkswirtschaften der Eurozone hätten "2003 die Glaubwürdigkeit der Stabilitätsregeln zerstört", kritisierte Monti. Er habe Verständnis für die aktuelle Bundesregierung, die Euro-Bonds "zu diesem Zeitpunkt" ablehne. Euro-Bonds seien "definitiv keine Entschuldigung dafür, die Haushaltsdisziplin oder den Fiskalpakt zu lockern". Er sei für Euro-Bonds-Strukturen "in einer Form, die nicht die Haushaltsdisziplin untergraben", sagte Monti.


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