Nach einer Reihe von Euro-Ländern ist nun erstmals auch Großbritannien ins Visier der Ratingagenturen geraten. Die US-Agentur Moody's senkte den Ausblick für die Spitzenbonität des Landes mit der Bewertung AAA auf "negativ". Als Reaktion auf die Ankündigung verteidigte die Regierung in London ihre Wirtschafts- und Finanzpolitik.
Als Hauptgefahren, die eine mögliche Herabstufung des Nicht-Euro-Landes Großbritanniens zur Folge haben könnten, nannte Moody's eine Kombination von langsamem Wachstum und geringem politischen Engagement zur Senkung des Defizits. Weitere Gefahren seien ein Anstieg der Kosten zur Refinanzierung der Schulden sowie eine neue Krise im Bankensektor.
"Es ist sehr klar, wovor uns die Ratingagentur warnt", sagte der britische Finanzminister George Osborne der BBC. Moody's werde Großbritannien herabstufen, wenn das politische Engagement zum Umgang mit den Schulden nachlasse. Die britische Regierung hatte in den vergangenen Monaten strikte Ausgabenkürzungen beschlossen. "Wenn es kein Vertrauen in die Fähigkeit eines Landes zur Tilgung der Schulden gibt, wie man das bei einer Reihe von anderen europäischen Ländern gesehen hat, führt dies zu Negativwachstum, höherer Arbeitslosigkeit und keinem Ausblick auf Besserung", sagte Osborne.
Neben Großbritannien drohte Moody's auch Frankreich und Österreich mit einer Herabstufung und senkte den Ausblick beider Staaten auf "negativ". Auch die Bewertungen für die Kreditwürdigkeit Italiens und Portugals senkte die Agentur erneut um jeweils eine Stufe sowie diejenige Spaniens um zwei Stufen. Zudem stufte Moody's Slowenien, die Slowakei und Malta weiter herab.
Als Begründung für ihre Entscheidungen gab die Agentur an, alle neun Länder seien durch die Eurokrise erheblichen finanziellen und volkswirtschaftlichen Risiken ausgesetzt. Die schwachen wirtschaftlichen Aussichten bedrohten zudem die Umsetzung notwendiger Sparmaßnahmen zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit.
Das österreichische Finanzministerium bedauerte die Androhung der US-Agentur. Zwar sei es begrüßenswert, dass die Spitzenbonität AAA zunächst erhalten bleibe, die Entscheidung sei aber mit der Schuldenkrise in Europa und des Engagements der österreichischen Banken in Osteuropa begründet worden. Es gebe derzeit allerdings keine Notwendigkeit für eine staatliche Unterstützung der Banken.
Spaniens Finanzminister Cristóbal Montoro nannte die Herabstufung "widersprüchlich". Erst würden die Reformen begrüßt, "dann entscheiden sie nach ihren Kriterien das Gegenteil", sagte Montoro im Radiosender Onda Cero. Als Zeichen der Entspannung auf den Märkten gab das Land am Dienstag Staatsanleihen von 5,4 Milliarden Euro aus und profitierte dabei von niedrigen Zinsen. Auch Italien profitierte von einem niedrigen Zinssatz und gab Anleihen in Höhe von sechs Milliarden Euro aus.


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