Frankenthal (dapd). Die Angeklagten im Prozess um den Mord an einem Obdachlosen in Ludwigshafen haben sich gegenseitig beschuldigt. Die 23 und 31 Jahre alten Männer warfen einander am Freitag vor dem Landgericht Frankenthal vor, den Angriff initiiert und den jeweils anderen dazu gezwungen zu haben. Beide räumten ein, im Juni 2007 das auf einer Parkbank in Ludwigshafen schlafende Opfer ohne Grund attackiert zu haben. Der 50-Jährige starb an seinen Verletzungen.
Der 31 Jahre alte Angeklagte sagte zu Beginn des zweiten Prozesstages, es sei ihm nicht bewusst gewesen, dass der spontan beschlossene Angriff derart brutal verlaufen werde. "Ich dachte, wir ärgern den Mann nur etwas", betonte er. Seinem 23 Jahre alten Mitangeklagten bescheinigte er äußerste Aggressivität: "Ich war erst einmal entsetzt. Ich habe nicht erwartet, dass er eine solche Brutalität an den Tag legen könnte." Es sei die Angst vor dem Begleiter gewesen, die ihn veranlasst habe, brutal auf das Opfer einzuschlagen. Die Situation habe ihn komplett überfordert. Der Obdachlose habe immer wieder gerufen: "Warum ich?".
Opfer starb an massivem Blutverlust
Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden Männern vor, den Obdachlosen in Ludwigshafen gemeinschaftlich ermordet zu haben. Sie sollen ihr auf der Parkbank schlafendes Opfer so schwer misshandelt haben, dass es an massivem Blutverlust nach wenigen Minuten starb.
Nach Darstellung des 23-Jährigen habe der mutmaßliche Komplize ihn vor dem Spaziergang gefragt, ob es nicht einmal etwas wäre, jemanden zu töten. Dem hätte er aber keine Bedeutung beigemessen. Schließlich habe sein Begleiter - nicht etwa er - den auf der Parkbank schlafenden Obdachlosen als erster massiv mit einem Schlagstock angegriffen. Dazu habe er gerufen: "Mach ihn kalt." Der jüngere der beiden Angeklagte räumte aber ein, erst auf den Obdachlosen eingeschlagen und später sogar auf ihn eingestochen zu haben. Er habe keine andere Möglichkeit mehr gesehen, "die Sache zu beenden", sagte er vor Gericht: "Ich wollte, dass es für alle Beteiligten ein schnelles Ende nimmt."
Mutmaßlicher Täter stellte sich im Sommer
Das Opfer, ein polnischer Staatsangehöriger, erlitt 21 offene Kopfverletzungen, einen Schädelbasisbruch und 20 Stichverletzungen. Außerdem wurde durch einen Messerstich die Halsschlagader vollständig durchtrennt. Eine 14-köpfige Sonderkommission hatte jahrelang vergeblich nach den Tätern gesucht. Im vergangenen Sommer stellte sich schließlich einer der Tatverdächtigen der Polizei und nannte auch den Namen des zweiten mutmaßlichen Täters.
Der Staatsanwaltschaft zufolge haben sich die Männer nach dem Konsum von Alkohol dazu entschlossen, einen Menschen "aufzumischen". Bewaffnet mit zwei Teleskopschlagstöcken, einer Luftdruckwaffe und einem Messer seien sie auf einen Platz in Ludwigshafen gegangen, der häufig von Obdachlosen besucht wird. Dort hätten sie beschlossen, einen auf der Parkbank schlafenden Mann zu töten.
Zuerst hätten sie mit einem Ast, dann mit den Schlagstöcken auf das sich heftig wehrende Opfer eingeschlagen. Schließlich habe der jüngere der beiden Täter auf den Obdachlosen eingestochen, während der Ältere mit der Luftdruckwaffe auf ihn geschossen habe, hieß es zum Prozessauftakt in der vergangenen Woche. Im Falle einer Verurteilung droht den beiden Männern lebenslange Haft. Der Prozess wird am 16. Mai fortgesetzt.
dapd


