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    Mursi setzt als "Präsident aller Ägypter" auf politische Stabilität

    Kairo (dapd). Die Wahl ist gewonnen, der Kampf um die Macht noch lange nicht: Im Amte des ägyptischen Präsidenten droht dem Islamisten Mohammed Mursi ein Kräftemessen mit dem Militärrat. Er werde ein "Präsident aller Ägypter" sein, sagte der Muslimbruder in seiner ersten öffentlichen Rede, bevor er am Montag das einstige Büro von Husni Mubarak in Kairo bezog. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bezeichnete nach dem polarisierenden Wahlkampf die Förderung der nationalen Einheit als wichtige Aufgabe des neuen ägyptischen Staatsoberhaupts.

    Ob sich Mursi mit seiner Politik wird durchsetzen können, hängt allerdings entscheidend auch von den weiterhin mächtigen Generälen ab. Sie hatten erst vor wenigen Tagen die Machtbefugnisse des Präsidenten beschnitten. Unter anderem darf das Staatsoberhaupt nun nicht mehr den Verteidigungsminister ernennen und muss auf den Titel "Oberbefehlshaber der Streitkräfte" verzichten.

    Das ägyptische Staatsfernsehen zeigte am Montag Aufnahmen von einer Zusammenkunft Mursis mit dem Militärrat. Dessen Vorsitzender Hussein Tantawi sagte demnach, die Generäle würden "den gewählten, legitimen Präsidenten unterstützen und zum Wohle der Stabilität des Landes mit ihm zusammenarbeiten". Ebenfalls am Montag traf Mursi den vom Militärrat unterstützten Ministerpräsidenten Kamal el Gansuri, der zwar seinen Rücktritt erklärte, zugleich aber um den Verbleib im Amt bis zur Bildung einer neuen Regierung gebeten wurde.

    Ernennung von Stellvertretern soll Unterstützung sichern

    Vordringlichste Aufgabe des neuen Präsidenten ist zunächst, eine Regierungsmannschaft aufzustellen. "Seine Priorität ist die politische Stabilität", sagte sein Wahlkampf-Sprecher Jasser Ali. Um Unterstützung aus allen politischen Lagern zu gewinnen, versprach Mursi, verschiedene Stellvertreter zu ernennen, darunter eine Frau und einen Christen. Außerdem gab er sich offen für die Zusammenarbeit mit anderen Präsidentschaftskandidaten.

    Neben der Fortführung des demokratischen Wandels gelte es, die soziale und wirtschaftliche Entwicklung des Landes voranzubringen und den inneren und äußeren Frieden zu garantieren, erklärte Merkel (CDU) in einem Glückwunschschreiben. Die USA bezeichneten die Wahl Mursis als Meilenstein auf dem Weg Ägyptens zur Demokratie. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon würdigten den friedlichen Verlauf der Wahl.

    Auf dem Tahrir-Platz in Kairo hatten Zehntausende Anhänger Mursis bis tief in die Nacht gefeiert. Spontanen Jubel über den Wahlsieg des Islamisten gab es auch auf den Straßen im Gazastreifen. In Israel betonte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu seine Hoffnung, dass Ägypten auch unter dem neuen Präsidenten am Friedensvertrag mit Jerusalem festhalten werde - Mursi hatte am Sonntag erklärt, die von seinem Land geschlossenen internationalen Abkommen achten zu wollen.

    An der ägyptischen Börse wurde der Wahlsieg des Islamisten positiv aufgenommen. Der Leitindex in Kairo legte am Montag um 7,6 Prozent zu - es handelte sich dabei um den höchsten Anstieg an einem Handelstag seit neun Jahren.

    Muslimbrüder fordern Wiedereinsetzung des Parlaments

    Nach der Auflösung des Parlaments durch den Obersten Gerichtshof vor gut einer Woche war am Montag auch noch unklar, wo Mursi seinen Amtseid ablegen würde. Behördenangaben zufolge könnte dies vor dem höchsten Gericht des Landes geschehen. Die Muslimbruderschaft fordert allerdings die Wiedereinsetzung des Parlaments, da in dem entsprechenden Gerichtsurteil nur die Vergabe von einem Drittel der Abgeordnetenmandate kritisiert wird.

    Viele Ägypter haben sich hinter Mursi gestellt, weil sie in ihm den Mann sehen, der das Land endgültig vom alten System des im vergangenen Jahr gestürzten Machthabers Mubarak befreien könne. Mursi muss aber zugleich Befürchtungen entgegentreten, er wolle Ägypten zu einem islamistischen Staat machen, und beweisen, dass er die Öffentlichkeit über die Muslimbruderschaft hinaus vertritt.

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