Frankfurt/Main (dapd). Lebensmittel, gefälschte Pässe und Verstecke: Mit kleinen und großen Gefälligkeiten haben einige Hessen in der NS-Zeit verfolgten Juden geholfen. Nur selten dienen ihre Geschichten für große Hollywood-Streifen wie bei dem Unternehmer Oskar Schindler, der mehr als 1.200 Juden vor dem Tod rettete. Doch eines haben sie alle gemeinsam: Sie mussten jederzeit mit drastischen Strafen rechnen.
Um sie für diesen Einsatz zu ehren, hat das Museum Judengasse in Frankfurt am Main die Sonderausstellung "Gegen den Strom" ins Leben gerufen. Die Recherchen hierfür gestalteten sich offenbar nicht besonders einfach. "Die Quellenlage ist sehr problematisch, denn die Menschen haben ja immer versucht, dass sie keine Spuren hinterlassen", sagt Museumsdirektor Raphael Gross am Dienstag bei der Vorbesichtigung der Ausstellung, die vom 9. Mai bis zum 14. Oktober 2012 in dem Haus zu sehen ist.
Noch ein weiterer Umstand habe die Nachforschungen erschwert, ergänzt Kuratorin Heike Drummer. "Für viele Menschen war es einfach selbstverständlich zu helfen, darum haben sie um ihre Taten kein Aufhebens gemacht", erklärt sie.
Drei dieser Menschen waren der Pfarrer Heinz Welke und das Ehepaar Fritz und Margarete Kahl aus Frankfurt, die von Historikern jüngst als "Bockenheimer Netzwerk" betitelt wurden. Ab 1941 besorgten sie für verfolgte Juden gefälschte Papiere, ermöglichten Fluchtwege und organisierten Verstecke. Doch die genaue Zahl der von ihnen geschützten Juden ist unbekannt.
Die Geschichte eines der Geretteten wird hingegen umfangreich dargestellt. Nachdem er 1942 aus dem Konzentrationslager Lublin fliehen und sich nach Frankfurt durchschlagen konnte, fand der Jude Robert Eisenstädt auf dem Dachboden von Familie Kahl einen Unterschlupf. Auch bei seiner anschließenden Flucht in die Schweiz war sie ihm behilflich.
"Das ist eine Sache, die man erst seit zwei bis drei Jahren weiß", sagt Petra Bonavista, die seit 2007 über die "stillen Helfer" in Frankfurt recherchiert. "Ich habe das Glück gehabt, dass ich den Sohn der Familie Kahl und den Sohn von Pfarrer Welke kennenlernen konnte", sagt sie. Denn persönliche Kontakte zu Angehörigen seien bei diesem speziellen Thema unumgänglich.
Doch nicht immer bildete Nächstenliebe das einzige Motiv für die Hilfe aus der Bevölkerung. So ist in der Ausstellung unter anderem zu lesen, dass der damalige Schiedsrichter bei der Frankfurter Eintracht, Karl "Moppel" Alt, den jüdischen Fußballer Julius Lehmann mit Lebensmitteln unterstützte, damit er in der Mannschaft bleiben konnte. Gerettet hat dies Lehmann allerdings nicht. Er wurde deportiert und am 8. Mai 1945 für tot erklärt. Nicht jede der Geschichten habe eben ein "Happy End", sagt Kuratorin Drummer und macht damit klar, dass das Leben nicht immer ausgeht wie ein Hollywood-Film.
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